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Aus Plenum und Ausschüssen
Nicole Tepasse
Hochschulen sollen für sich werben

BILDUNG

Die geringe Zahl der Studienanfänger ist ein Kernproblem für den Wissenschaftsstandort Deutschland. Das sagte der Vorsitzende der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz (GWK), Jürgen Zöllner, am 21. Januar im Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung. Die notwendige Erhöhung der Zahl, die auch ein Ziel des Hochschulpaktes ist, könne etwa dann gelingen, wenn die Losung "Geld folgt Studierenden" umgesetzt werde. "Es soll honoriert werden, wenn Hochschulen attraktiv für Studierende sind und diese sich deshalb für eine Studium an einer bestimmten Hochschule entscheiden", bekräftigte Zöllner. "Wenn die Länder und Hochschulen wissen, dass sie Geld für neue Studierende bekommen, dann strengen sie sich auch an." Die Ursache für die vergleichsweise wenigen Studenten an ostdeutschen Hochschulen sei aber nicht deren mangelnde Attraktivität. Beispielsweise gebe es in Greifswald "traumhafte Rahmenbedingungen" für Medizinstudenten, sagte Zöllner. Die Angebote würden allerdings nicht ausreichend angenommen und man könne niemanden zwingen, an einer bestimmten Hochschule zu studieren. "Aber man kann Anreize schaffen und die Hochschulen müssen für sich werben", plädierte er.

Daneben sprach Zöllner, der in Berlin Senator für Bildung, Wissenschaft und Forschung ist, die Exzellenzinitiative an. "Die Exzellenzinitiative ist ein Wettbewerbssystem und das heißt auch, dass die Hochschulen, die ausgewählt wurden, ihre Exzellenz immer wieder unter Beweis stellen müssen." Darüber sollten sich die Hochschulen im Exzellenzcluster im Klaren sein. "Denn ansonsten geht es ja nicht mehr um die Exzellenz, sondern um Privilegien", sagte Zöllner. Zu den im Konjunkturpaket II vorgesehen Investitionen von 6,5 Milliarden Euro in Bildung und Forschung erklärte er, dass der Großteil voraussichtlich nicht in die Hochschulen fließe. Vor allem Vorschulen und Schulen würden von den Investitionen profitieren. Letztlich seien es aber Investitionen in die Zukunftsfähigkeit Deutschlands. Deshalb solle man jetzt nicht darüber diskutieren, wer das Geld erhalte.

Aussagen, nach denen an deutschen Hochschulen ein Sanierungsbedarf von 22 Milliarden Euro bestehe, konnte Zöllner nicht bestätigen. Der Bedarf könne 22 Milliarden betragen, aber auch höher oder geringer sein. Dies sei auch nicht entscheidend. "Eine Limitierung des Geldes folgt nicht aus dem Bedarf, sondern den finanziellen Möglichkeiten." Auch aktuell könne er sich neben der Sanierung von Schul- oder Hochschulgebäuden oder der Beschaffung neuer Geräte weitere Maßnahmen vorstellen. Dafür fehle allerdings das Geld.

Zöllner ist seit dem 1. Januar 2009 Vorsitzender der GWK, die als Nachfolgeorganisation der Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung (BLK) seit dem 1. Januar 2008 besteht.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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