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Benjamin Stahl
Vom Leiden der Menschheit

AUSSTELLUNG »Das Buch Hiob«: 47 Originalgrafiken von Günther Uecker im Kunstraum des Deutschen Bundestages

Hiob "war rechtschaffen und redlich und gottesfürchtig und mied das Böse", heißt es in der Bibel. Dennoch ließ Gott - überzeugt von Hiobs Treue - zu, dass ihm von Satan alles genommen wurde: sein Besitz, seine Kinder und seine Gesundheit. Dass Hiob, obwohl frei von Sünde, großes Leid erdulden musste, ist das zentrale Thema des alttestamentarischen Buches. Für Bundestagspräsident Norbert Lammert ist es daher von großer Aktualität.

"Der Text ist deswegen modern, weil er den großen Menschheitstraum, dass eigenes Wohlergehen mit eigenem Tun in kausalem Zusammenhang stehe, brutal zerschlägt", sagte Lammert am 10. Februar bei der Eröffnung der Ausstellung "Das Buch Hiob" im Marie-Elisabeth-Lüders-Haus. "Das Buch Hiob" ist ein Künstlerbuch des 78-jährigen Günther Uecker, der auch den Andachtsraum im Reichstaggebäude gestaltet hat. Es enthält 47 Doppelseiten, mit je einer Bild- und einer Textseite. Die Texte sind Auszüge aus dem Bibeltext des Alten Testaments - in Hebräisch und in der lutherschen deutschen Übersetzung. "Das Buch Hiob" sei zwar, so Lammert, "eine besondere Ausstellung", aber lange nicht die erste im Bundestag. Denn Kunst habe hier keine dekorative Aufgabe, sagte er, sondern sei Ausdruck der Verbundenheit von Politik und Kultur. "Das Parlament hat nicht nur rechtliche Grundlagen, sondern auch kulturelle, die religiöse Wurzeln haben", erklärte er. Der Bundestag erwarb eines der 99 Exemplare des Künstlerbuches, das im israelischen Tel Aviv-Jaffa im Atelier der Druckerei Har-El Printers&Publishers mit einem eigens entwickelten Druckverfahren hergestellt wurde. Dank dieses Verfahrens war es möglich, einen Seriendruck mit Materialen, wie dem für "Das Buch Hiob" häufig verwendeten Sand, durchzuführen. Nach dem Ende der Ausstellung wird das Werk seinen Platz im Andachtsraum im Reichstagsgebäude erhalten.

Für den ehemaligen Leiter der Kunst-Station Sankt Peter Köln, Jesuitenpater Prof. Friedhelm Mennekes, ist das Buch Hiob ein Reflexionsbuch über das Leiden des Volkes. Die Verletzung des Menschen durch den Menschen kenne nur eine Lösung, sagte Mennekes - "die Heilung des Menschen durch den Menschen".

Die Ausstellung ist noch bis 10. Mai, täglich außer montags von 11 bis 17 Uhr im Kunstraum im Marie-Elisabeth-Lüders-Haus zu sehen. Der Eintritt ist frei.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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