Inhalt

Jörg Wagner
Dritter Verbreitungsweg

DIGITALES FERNSEHEN Mehr Programm auf einer Frequenz

Eigentlich ist das Fernsehen längst digital. Seit über zehn Jahren. Und niemand hat's gemerkt? Woran auch? Analoges und digitales Fernsehen sehen auf den ersten Blick fast gleich aus. Oberflächlich. Vorausgesetzt, es gibt keine Störungen.

ARD und ZDF senden seit 1. Januar 1996 via Satellit digital: die Hauptprogramme, Wiederholungen, aber auch Archivware nach einem für den Zuschauer undurchschaubaren System.

Bei den Privaten sah es nicht besser aus. Medienmogul Leo Kirch wollte fast zeitgleich mit seinem Abosender DF1 - die Initialen stehen für Digitales Fernsehen - die Zukunft des Fernsehens schlechthin einläuten. Zukunft hieß für ihn, den größten Vorteil der digitalen Übertragung auszunutzen: rund viermal mehr Programme auf derselben Frequenz auszustrahlen, um seine unzählige Programmware höchstmöglich zu vermarkten. Denn Filmrollen, die im Regal liegen, bringen kein Geld. Das ist an sich keine beklagenswerte Haltung. Doch hat sie dazu geführt, dass digitales Fernsehen sehr lange mit PayTV gleich gesetzt und vom Verbraucher ignoriert wurde.

Der Durchbruch für das digitale Fernsehen kam mit dem terrestrischen digitalen Antennenfernsehen (DVB-T) im Jahr 2003, als das analoge Fernsehen dafür abgeschaltet wurde. Zum Vorteil der Kunden: mehr Programme und bei meist störungsfreiem Empfang in besserer Bild- und Tonqualität - fast wie beim Satellitenempfang, der bisher unschlagbar ist. Denn Kabelbetreiber sahen die "Freiheit, die vom Himmel kommt", so ein Werbeslogan, immer als Bedrohung. Der Ausbau zum digitalen Kabelempfang kam daher nur schleppend voran.

Mit den neuen Flachbildfernsehern wurde der Druck auf diesen dritten Verbreitungsweg größer. Doch analoges Fernsehen sieht damit oftmals schlechter aus. Auch Verbraucherschutzzentralen warnen bis heute vor modernen Fernsehern bei analogem Empfang. Irgendwann wird auch dies der Vergangenheit angehören, die Signale kommen endlich auf allen Wegen, auch via Internet, digital ins Gerät.

Bis etwa zum Jahr 2010 soll sich die besserer Bildqualität (HDTV) auch im Regelbetrieb durchsetzen. Spätestens dann werden sich Programmmacher weitere Vorteile der Digitalisierung zu nutze machen: kundengenaues, zielgruppenspezifisches, adressierbares Zuspiel von TV-Signalen und Interaktivität. Der konventionelle Sofa-Zuschauer ist allerdings ziemlich stabil. Die Hoffnung ist der junge, internetgewöhnte und mobile Nutzer, denn Fernsehen wird dann fast überall sein können.

Aus Politik und Zeitgeschichte

© 2016 Deutscher Bundestag