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Alexander Weinlein
Eine Wohnung ohne Bilder

Deutsche Einheit Geschichte eines überfälligen Denkmals

Es wäre eine runde Sache gewesen, hätte das Denkmal für Freiheit und Einheit pünktlich zum 20-jährigen Jubiläum der Wiederveinigung am 3. Oktober dieses Jahres eingeweiht werden können. Und so hatten es sich auch die Abgeordneten des Bundestages gedacht, als sie am 9. November 2007 den Beschluss fassten, "in Erinnerung an die friedliche Revolution im Herbst 1989 und an die Wiedergewinnung der staatlichen Einheit Deutschlands" ein Denkmal "im Jubiläumsjahr 2009" errichten zu lassen. Nun wird es bis mindestens 2012 dauern, bis das Denkmal stehen wird. Zumindest der Sieger des Architektenwettbewerbs für das Freiheits- und Einheitsdenkmal soll aber am ebenfalls geschichtsträchtigen 9. November dieses Jahres präsentiert werden.

Die über zehnjährige Diskussion über das Denkmal zeichnet ein von Andreas H. Apelt herausgegebener Band nach. Neben einem einführenden Teil über den Sinn und den richtigen Standort des Denkmals - es soll auf dem Sockel des ehemaligen Kaiser-Wilhelm-Denkmals auf der Schlossfreiheit in Berlin entstehen - präsentiert das Buch in erster Linie Dokumente zur Initiative von Lothar de Maizière, Florian Mausbach, Günter Nooke und Jürgen Engert, die dann im Herbst 2005 von der Deutschen Gesellschaft e.V. weitergeführt wurde.

"Eine Stadt ohne Denkmäler ist wie eine Wohnung ohne Bilder", schreibt der Mitinitiator Florian Mausbach, Präsident des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung. Nun ist Berlin zwar wahrlich keine Stadt, der es an Denk- und Mahnmalen mangeln würde. Aber dass bislang ausgerechnet jenes Denkmal im Stadtbild der Hauptstadt fehlt, das an einen der wichtigsten und vor allem an einen der wenigen glücklichen Momente in der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts erinnern soll, mutet in der Tat absurd an. Auch dies verdeutlicht das Buch.

Eine wirklich runde Sache wäre der Band jedoch gewesen, wenn der Verlag mit der Herausgabe bis zum Abschluss des Architektenwettbewerbs gewartet hättet und dieses Kapitel und die Gestaltung des Denkmals hätte präsentieren können. In eine mögliche erweiterte Neuauflage des Bandes sollten dann auch nicht nur der im Jahr 2000 durch den Bundestag abgelehnte Antrag und der 2007 angenommene Antrag abgedruckt werden, sondern auch die Protokolle der betreffenden Bundestagssitzungen. Dann wäre der diskussionsreiche Weg zum Freiheits- und Einheitsdenkmal umfassend dargestellt.

Andreas H. Apelt (Hg):

Der Weg zum Denkmal für Freiheit und Einheit.

Wochenschau Verlag, Schwalbach 2009; 190 S., 9,80 €

Aus Politik und Zeitgeschichte

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