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Interview mit Marlene Mortler, Vorsitzende des Tourismusausschusses
FÜNF FRAGEN ZUR: TOURISMUSPOLITIK

Am 11. März beginnt die diesjährige ITB. Was ist der Reiz dieser Touristik-Messe?

Die besondere Rolle der ITB wird schon anhand der Zahlen deutlich. Trotz Krise sind die 160.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche ausgebucht. Rund 11.000 Aussteller aus 180 Ländern werden vertreten sein. Die ITB hat sich über die Jahre zu einer Leitmesse entwickelt, mit jährlichen Umsätzen von fünf Milliarden Euro. Ich persönlich freue mich auf den Kontakt mit den Branchenvertretern und Fachpolitikern aus der ganzen Welt.

Trotz Wirtschaftskrise scheint in der Tourismusindustrie Optimismus vorzuherrschen. Auch bei Ihnen?

Ja, durchaus. Die Deutschen reisen nach wie vor gern. Einschnitte wird es sicherlich geben, weil der Verbraucher mehr auf den Geldbeutel schauen muss. Er wird vielleicht wieder mehr mit dem Auto reisen, da der Sprit billiger geworden ist. Das könnte ein Vorteil für den Tourismusstandort Deutschland sein. Ich könnte mir eine Renaissance des Urlaubs im eigenen Land vorstellen.

Der Städteurlaub boomt in Deutschland schon. Welche Maßnahmen müssen ergriffen werden, um ländliche Urlaubsregionen zu unterstützen?

Der Bund kann da nur den Rahmen setzen - entscheidend sind die Akteure vor Ort. Die müssen sich an einen Tisch setzen, um ihre Stärken zu verbinden und ihre Ressourcen zu nutzen. Es geht darum, Qualitätsstandards zu setzen und einzuhalten, denn Qualität steht über allem. Die Akteure müssen lernen, über den Tellerrand zu gucken und das Kirchturmdenken wegzuschieben. Miteinander ist besser als Gegeneinander, denn am Ende profitieren alle. Viele haben das schon begriffen, was auch die Zusammenarbeit auf der ITB zeigt.

Die Bundesregierung legt in ihren Tourismusleitlinien viel Wert auf barrierefreies Reisen. Warum?

Barrierefreies Reisen ist wichtig für behinderte Menschen, aber eben nicht nur. Genauso profitieren davon ältere, gebrechliche Menschen, aber auch Familien mit Kindern. Dabei darf nicht immer nur an zusätzliche Kosten gedacht werden. Meiner Ansicht nach gibt es die oftmals gar nicht. Außerdem ist Barrierefreiheit ja auch ein Werbevorteil.

Die Legislaturperiode geht dem Ende entgegen. Was ist aus tourismuspolitischer Sicht noch zu tun?

Wir dürfen nicht vergessen, dass die Tourismusbranche eine Wachstumsbranche ist. Wenn wir uns auch zukünftig ein großes Stück von dem Kuchen abschneiden wollen, müssen wir jetzt aktiv werden. Die finanzielle Unterstützung für die Deutsche Zentrale für Tourismus (DZT) muss daher wie geplant in den nächsten Jahren Stück für Stück erhöht werden. In der Krise ist es schließlich besonders wichtig, für das eigene Land zu werben.

Die Fragen stellte

Götz Hausding.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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