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ORTSTERMIN MIT: VIER ISRAELISCHEN IPS-STIPENDIATEN
Nicole Tepasse/Lena Diesing
»Ich habe ein angeborenes Interesse an Deutschland«

"Ich habe ein angeborenes Interesse an deutscher Geschichte, wenn so etwas angeboren sein kann", begründet Yoav Sapir seine Bewerbung für das Internationale Parlaments-Stipendium (IPS) des Deutschen Bundestages. "In der Familie meines Vaters waren die Faszination und das Interesse an deutscher Geschichte immer schon größer als eine Ablehnung gegenüber Deutschland." Sapir ist einer von vier israelischen Stipendiaten, die in diesem Jahr an dem IPS-Programm teilnehmen, das am 16. März offiziell beginnt. Insgesamt sind 115 Stipendiaten aus 27 Ländern bis Ende Juli in Berlin. Israel nimmt als Partnerland zum ersten Mal teil.

Yoav Sapir (li.) erinnert sich gut an das Auswahlgespräch, das in seinem Fall in Berlin stattgefunden hat. "Das Gespräch hat fast 50 Minuten gedauert und die Fragen gingen schon sehr ins Detail", erzählt der 29-Jährige. Er sollte zum Beispiel erklären, wie denn nach einer Bundestagswahl genau die Wahl des Bundeskanzlers vonstattengeht. "Das konnte ich nicht beantworten", erzählt Sapir. Überzeugt hat er trotzdem.

Die anderen drei Bewerber wurden in Israel unter anderem von Bundestagsvizepräsidentin Gerda Hasselfeldt (CSU) ausgewählt. "Für uns war in dem Gespräch wichtig, dass wir ein großes Interesse an Deutschland und seinem politischen System entdecken", berichtet Hasselfeldt. Aber ein Interesse alleine genüge nicht. Auch Kenntnisse über Deutschland, seine Verfassungsorgane und die Unterschiede zum politischen System in Israel seien Teil des Gesprächs gewesen. "Wir fördern junge Menschen, die motiviert sind und hier Erfahrungen sammeln, die sie hinterher auch in ihrem Heimatland anwenden können. Im nächsten Jahr soll dann voraussichtlich mindestens ein deutscher Hochschulabsolvent die Möglichkeit bekommen, die Arbeit in der Knesset kennenzulernen", sagt Hasselfeldt, die sich auf die Zusammenarbeit mit ihrer Stipendiatin Radmila Abramov freut.

Abramov (2. v. re.) ist während eines Praktikums beim EU-Parlament auf das IPS aufmerksam geworden. Ihre Aufgabe war unter anderem, die Internetseite des Bundestages zu beobachten. Dabei stieß sie auf die Informationen zum IPS-Programm(www.bundestag.de/ips). "Ich finde es sehr interessant, wie stark die lokalen Entscheidungsebenen in Deutschland sind. Darüber möchte ich mehr lernen und dann die lokalen Entscheidungsebenen in Israel stärken", sagt Abramov. Wie die Arbeit der Abgeordneten auf kommunaler Ebene funktioniert, wird die 27-Jährige eine Woche lang in Hasselfeldts Wahlkreis Fürstenfeldbruck miterleben. "Frau Abramov soll dann einen Einblick in die parteiinterne Arbeit bekommen, wird aber auch bei der Wahlkreissprechstunde dabei sein", sagt Gerda Hasselfeldt. "Vielleicht haben wir auch die Möglichkeit, die KZ-Gedenkstätte Dachau zu besuchen."

Michael Rimmel (2. v. li.) hat von 2004 bis 2007 an der Freien Universität in Berlin einen Bachelor in Politikwissenschaften gemacht und als Referent bei der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas gearbeitet. Als ihn sein Professor dann über das IPS-Programm informierte, hat Rimmel kurz gezögert. "Ich habe mich gefragt, will ich jetzt schon wieder für längere Zeit nach Deutschland gehen", so der 30-jährige Stipendiat. Die Möglichkeit, Leute aus vielen verschiedenen Ländern kennenzulernen und die Parlamentsarbeit aus der Nähe mitzubekommen, wollte er sich dann doch nicht entgehen lassen.

Auf die Arbeit im Abgeordnetenbüro, die für alle Stipendiaten am 16. März beginnt, freut sich auch David Cahn (re.), der Schwytzerdütsch als Muttersprache spricht und vor viereinhalb Jahren aus der Schweiz nach Israel ausgewandert ist. Der 27-Jährige hofft, dass die Arbeit im Bundestag ihm Türen für sein Berufsleben öffnet. Gespannt ist er auf den Ausflug in den ostfriesischen Wahlkreis der Abgeordneten Gitta Connemann (CDU): "Mal sehen, wie gut ich das Friesische verstehe."

Aus Politik und Zeitgeschichte

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