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AUFGEKEHRT
Sebastian HIlle
Schilder statt »Gala«

Tu Gutes und sprich darüber, sagt der gern zitierte Volksmund. Obwohl niemand diesen Typen persönlich, sondern nur vom Hörensagen kennt, folgen viele seinem Credo. Einge sind so sehr überzeugt, dass sie die Aussage zu ihrem Lebensmotto gemacht haben. Die Charity-Branche, gesprochen Tschäriti-Brohngsche, wäre ihres Lebensinhaltes beraubt, hätte der Volksmund, dieser pfiffige Fuchs, nicht so gute Ideen hervorgebracht.

Welchen Sinn hätten Maniküre und Pediküre für die Walküre gäb' es am Abend nicht die Tschäriti-Gala, wo es darum geht, beim Gutes tun, eine so gute Figur zu machen, dass man in der nächsten Ausgabe der "Gala" nicht erst auf Seite 57 auf dem kleinen Bild unten rechts zu sehen ist. Gutes braucht Getöse, damit das Gute auch als Gutes wirken kann.

Diese Erkenntnis ist auch im Bundestag angekommen. Genauer gesagt im Haushaltsausschuss. Dort ist jüngst die Idee entstanden, über das Gute, das die Bundespolitiker in Zeiten der Krise für uns Bürger tun, nicht nur zu sprechen, sondern auch zu schreiben. Der Plan: Wenn der Bund schon soviel Gutes tut, Milliarde um Milliarde raushaut, dann soll das auch der Wähler sehen. Deshalb sollen an allen Baustellen in Stadt und Land, bei denen der Bund finanziell mitbuddelt, Schilder aufgestellt werden: "Wir bauen Zukunft", soll unter dem Bundesadler stehen. Bauherren: Bundestag und Bundesregierung. Ganz nach dem Motto: Diesen Drei-Stunden-Stau präsentiert Ihnen Ihre politische Führung.

Eines scheinen die wahlkampforientierten Wohltäter allerdings vergessen zu haben: Während die Tschäriti-Ladies ihre private Pinunse "Gala"-adäquat unters Volk bringen, will Vater Staat mit Geld des Bürgers für mit Geld des Bürgers finanzierte Wohltaten für den Bürger werben. Dafür sind Schilder natürlich das Mindeste. Denn, für die "Gala" wäre die Sache eh zu kompliziert.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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