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WaffenrechtGastkommentar
Rolf Kleine
Geburt des Mäusleins

Erfurt, Emsdetten, Winnenden: Junge Männer wollen einmal im Leben Helden spielen - und werden zum Amokläufer, zum kaltblütigen Mörder. Ein Griff in den Waffenschrank daheim genügt, um Tod und Leid über Dutzende Opfer und Angehörige zu bringen.

Es wundert nicht, dass jedes Mal aufs Neue der Ruf nach der Politik laut wird, der Ruf: Unternehmt doch endlich was! Der Bundestag hat jetzt reagiert, der Berg hat gekreißt - das Mäuslein ist geboren. Denn mehr ist es nun wirklich nicht.

Die Fakten: In Deutschland vagabundieren Millionen Waffen in Privatbesitz herum - legale und illegale. Wer Jäger ist oder Sportschütze, der kann in seinem Keller ganze Arsenale an Pistolen und Gewehren horten - ein abschließbarer Schrank reicht. Und: Auf Schießständen dürfen schon 14-Jährige (!) zur Waffe greifen.

Und was macht der Gesetzgeber? Richtig, er einigt sich auf den kleinsten gemeinsamen Nenner: Mehr Kontrollen - wenn die Personallage bei den Behörden es erlaubt. Mit großkalibrigen Waffen darf erst ab 18 geschossen werden. Und wie viele legale Gewehre und Pistolen es in Deutschland wirklich gibt, wollen wir auch wissen - ab Ende 2012...

Es ist ein Trauerspiel! Besser wäre es gewesen, der Bundestag hätte gleich kapituliert und den Wählern die Wahrheit gesagt: dass die Rechte von Sportschützen, Jägern und Waffennarren schwerer wiegen als die Sicherheit der Bürger. Und dass nun mal gerade eine Wahl bevorsteht, bei der jede Stimme zählt...

Aus Politik und Zeitgeschichte

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