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Kurz Rezensiert
Christoph Birnbaum
Angelesen

Peter Bofinger ist Mitglied im Sachverständigenrat der Bundesregierung und einer der wenigen deutschen Spitzenökonomen, der für eine Nachfragepolitik à la Keynes steht. Sein Buch ist ein einziges großes Plädoyer für eine gänzlich neue Balance zwischen Markt und Staat im Zeichen der Krise. Dazu gehört für ihn, dass der Staat in der Öffentlichkeit nicht nur als Steuergelder verschlingendes Monstrum diffamiert, sondern vielmehr als einzig wirkungsvolle Interessenvertretung der Menschen in der globalisierten Welt wahrgenommen wird. Der Steuerstaat müsse, so Bofinger, gegen die Schuldenangst der Menschen verteidigt werden. Dass Bofinger vor einer weiteren Erosion des Flächentarifvertrages warnt, gegen weitere Lohnzurückhaltung ist und für einen generellen Mindestlohn eintritt ist nicht neu - aber selten klang die Vorhersage eines deutschen Spitzenökonomen so düster, dass das Marktversagen der letzten eineinhalb Jahre mit einem weiteren Fortschreiten der Krise in der Realwirtschaft sehr schnell in ein Politikversagen und damit in eine handfeste Krise der Demokratie umschlagen kann.

Peter Bofinger:

Ist der Markt noch zu retten? Warum wir jetzt einen starken Staat brauchen.

EconVerlag, Berlin 2009; 256 S., 19,90 €

Aus Politik und Zeitgeschichte

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