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Hans-Jürgen Leersch
Der Bund bleibt größter Bauherr

PARLAMENTSVIERTEL Auch zehn Jahre nach dem Umzug plant der Bundestag noch neue Büros

Auch zehn Jahre nach dem Umzug des Parlaments und Teilen der Regierung von Bonn nach Berlin bleibt der Bund im Bezirk Mitte der Hauptstadt der größte Bauherr. Rund 4 Milliarden Euro beträgt das aktuelle Neubauvolumen. Und da nach einem Jahrzehnt auch die ersten Baumängel nicht mehr zu übersehen sind, fallen zusätzlich Renovierungskosten an.

Der Deutsche Bundestag nutzt derzeit neben dem Reichstagsgebäude vor allem drei nahe gelegene Neubauten: das Jakob-Kaiser-Haus, das Paul-Löbe-Haus und das Marie-Elisabeth-Lüders-Haus. Zusätzlich sind Mitarbeiter des Bundestages in weiteren Gebäuden im Stadtbezirk Mitte untergebracht.

In der Planung befindet sich jetzt nach Angaben der Bundesbaugesellschaft ein Anbau an das Marie-Elisabeth-Lüders-Haus. Dort soll etwa ab Herbst dieses Jahres nach den Plänen des Architekten Stephan Braunfels mit einem Anbau begonnen werden. 2013 könnte das Objekt fertig gestellt sein. Das Erweiterungsgebäude soll mehr als 300 Büroräume haben - jeder 19 Quadratmeter groß. Insgesamt wird eine Grundstückfläche von 3.000 Quadratmetern bebaut. Die Kosten werden bisher auf 190 Millionen Euro veranschlagt.

Ebenfalls 2013 soll die neue Zentrale für den Bundesnachrichtendienst bezugsfertig sein, die 1,5 Milliarden Euro kosten soll. 4.000 Mitarbeiter des bisher in Pullach bei München residierenden Auslandsgeheimdienstes sollen künftig in der Chausseestraße in Mitte tätig sein. Das Robert-Koch-Institut will in einem neuen Hochsicherheitslabor ansteckende Krankheiten erforschen. Allein der erste Bauabschnitt kostet 110 Millionen Euro.

Im Vergleich dazu erscheinen andere Neubauvorhaben preiswert. So soll das bisher auf drei Liegenschaften verteilte Innenministerium einen Neubau in Sichtweite von Kanzleramt und Berliner Hauptbahnhof erhalten. Der Bau, der auch mit Sicherheitsanforderungen begründet wird, soll 2015 bezugsfertig sein und 208 Millionen Euro kosten. Die Kosten für den Neubau des Familienministeriums sind mit 47 Millionen Euro vergleichsweise bescheiden. Etwa genauso teuer wird der Neubau des Umweltministeriums.

Rund 68 Millionen Euro haben die Sanierungen in verschiedenen Bundesgebäuden bisher gekostet. Bauminister Wolfgang Tiefensee (SPD) hat über das Konjunkturpaket II rund 500 Millionen Euro zur Sanierung von Bundesbauten überall in der Republik bereitgestellt.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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