Inhalt

Kurz rezensiert
Udo Scheer
Angelesen

Lange vergriffen, erschienen gleichsam als ein Vermächtnis zu Jürgen Fuchs' (1950 - 1999) 10. Todestag seine Vernehmungsprotokolle in einer Foto-Text-Edition. Authentisch wie kein anderer zeigt der Schriftsteller und Bürgerrechtler darin das rechtlose Ausgeliefertsein im politischen U-Haft-System des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR. Dank seines außerordentlichen Gedächtnisses rekonstruierte er Vernehmungen fast wortwörtlich. Als studierter Psychologe analysierte er die angewandte "Schwarze Psychologie" zum Konditionieren, Unterwerfen und Brechen von Häftlingen. Der Leser findet sich wieder in einem Psychokrieg mit Zellenspitzel, Wanzen und einem Anwalt, der subtil die Interessen der Staatsmacht gegen seinen Klienten vertritt.

Die Intensität dieses einmaligen Hafttagebuchs mit Fotos illustrieren zu wollen, ist ein Wagnis. Tim Deussen ist es gelungen.

Mit seinen Vernehmungsprotokollen dokumentierte Jürgen Fuchs erstmals die U-Haft-Praktiken moderner, nicht demokratisch kontrollierter Geheimdienste, ihre Vernehmungstechniken und angewandte Psychofolter. Dieses Buch ist heute so aktuell wie vor 30 Jahren.

Jürgen Fuchs:

Vernehmungs- protokolle.

Jaron Verlag, Berlin 2009; 176 S., 14,90 €

Aus Politik und Zeitgeschichte

© 2016 Deutscher Bundestag