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Sebastian Haas
Fachkräfte, kehrt zurück!

RÜCKKEHR-INITIATIVEN Werbung mit dem Faktor Heimweh

Die Ostsee spült glasklares Wasser in den weißen Sand, Strandkörbe warten auf die Besucher. "Heimweh?" Das fragt eine Postkarte, die Sehnsucht nach Mecklenburg-Vorpommern wecken und abgewanderte Landeskinder zurück ins Land bringen soll. Absender der Postkarten ist die Schweriner Agentur mv4you, die rück- und zuwanderungsinteressierte Menschen betreut. 4.000 Kunden haben sich in der Datenbank von my4you vermerkt. Sie alle erhalten Newsletter mit Stellenangeboten, Informationen zu Wirtschaft, Arbeitsmarkt, Kultur und Politik in Mecklenburg-Vorpommern.

Perspektiven bieten

Was 2001 unter kirchlicher Trägerschaft begann, wird heute von einer Unternehmensberatung geführt und vom Wirtschaftsministerium Mecklenburg-Vorpommerns gefördert. Wie wichtig die Landesregierung das einstuft, erklärt Wirtschaftsminister Jürgen Seidel (CDU): "Früher haben junge Leute bei uns im Land nicht die Arbeit gefunden, die sie wollten. Heute stehen wir vor einem Fachkräftemangel. Wir müssen den jungen Leuten zeigen, dass sie hier eine Perspektive haben." Die Perspektive zeigt mv4you in Zusammenarbeit mit Hochschulen, Arbeitsagenturen, Unternehmen und Kommunen. 2006 haben sich verschiedene ostdeutsche Rückkehrinitiativen zum Verbund Rück- und Zuwanderung zusammengeschlossen. Der Verbund besteht aus einem Dutzend Partnern: vom Unternehmer- und Fachkräfteservice UfaS in Thüringen über die Initiative "Revenio. Zurückkommen lohnt!" in Quedlinburg bis zum Internetportal "jukam - Karriere in Mitteldeutschland".

Zuwanderer haben es schwer

Warum konzentrieren sich die Regionen darauf, verlorene Kinder zurückzugewinnen? Die Antwort gibt Verbundssprecherin Heidemarie Rubart: "Rückkehrer kennen lokale Besonderheiten, können sich meist gut reintegrieren und übernehmen oft Funktionen im sozialen Bereich." Für Zuwanderer sei das eher schwierig. Sie brächten aber Außenansichten und frischen Wind mit.

Doch es gebe noch einen weiteren Faktor: die Daheimgebliebenen. Die sollten gastfreundlich sein und das als Ausdruck für die Attraktivität eines Wirtschaftsstandortes begreifen. Oft werde die Politik dafür verantwortlich gemacht, dass es weder Arbeitsplätze noch Nachwuchsförderung in der Region gebe, informiert der Verbund Rück- und Zuwanderung. An der Einstellung der Einheimischen zu arbeiten, dazu fühlen sich die gemeinsamen Rückkehr-Initiativen aber noch nicht bemüßigt.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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