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Jürgen Stryjak
Kurz notiert

A

Die einstige Perle am Mittelmeer existiert mindestens zweimal: einmal in der Erinnerung, als Mythos, und einmal in der Realität. Alexander der Große gründete die Stadt im Jahre 332 vor Christus, nachdem er Ägypten erobert hatte. In den Jahrhunderten danach erlebte sie ihre erste Blütezeit. Weltweit besaß Alexandria die erste Straßenbeleuchtung. Zur Zeit des Römischen Reiches wurden in der Stadt Laternenmasten hergestellt. Man kennt nicht nur die Namen der Fabrikanten, sondern weiß auch, dass die Laternen täglich vier Stunden brannten. Die Ptolemäer-Könige residierten hier und Kleopatra beging in Alexandria Selbstmord. Die Bibliotheca Alexandrina machte die Stadt zum Wissenschaftszentrum der Spätantike. Mit dem Leuchtturm von Pharos besaß sie eines der Sieben Weltwunder. Bis in die fünfziger Jahre des letzten Jahrhunderts sollte Alexandria einige Jahrzehnte lang die kosmopolitischste Stadt am Mittelmeer sein. Neben Italienern, Franzosen und Briten lebten hier 50.000 Griechen. Doch am 26. Juli 1956 gab Ägyptens Präsident Nasser in Alexandria vor einer Million Menschen die Verstaatlichung des Suez-Kanals bekannt. Das bedeutete das Ende der kosmopolitischen Phase, ein Großteil der Europäer verließ Alexandria. Heute leben hier etwa sechs Millionen Menschen. Die zweitgrößte Stadt Ägyptens ist ein Industriezentrum mit dem wichtigsten Hafen. Und auch die Kultur kehrt zurück: An der Uferpromenade wurde 2002 der Neubau der Bibliotheca Alexandrina eröffnet. Hier residiert auch die Anna-Lindh-Stiftung, die im Auftrag von über 40 EU- und Mittelmeeranrainer-Staaten kulturelle Begegnungen organisiert.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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