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Kurz rezensiert
Jörg von Bilavsky
Angelesen

Was hat die deutsche Einheit gekostet? Diese Frage lassen zahlreiche Darstellungen im Freudentaumel des diesjährigen Gedenkens an den Wendeherbst von 1989 offen. Nicht so die fundierten Analysen von Gerhard A. Ritter. Der renommierte Sozialhistoriker hat bereits vor drei Jahren Bilanz gezogen. In seiner vielgelobten Studie zur Wiedervereinigung und der Krise des Sozialstaats hat er den Deutschen und ihren Politikern die Rechnung präsentiert.

Obgleich er darin die Fehler und Versäumnisse bei der Übertragung des bundesdeutschen Sozialsystems genauestens bilanziert, sieht auch er kaum Alternativen zu den damals getroffenen Entscheidungen. Wollte man die staatliche Vereinigung zu diesem einmaligen Zeitpunkt nicht gefährden, waren schnelle und kostspielige Lösungen so gut wie nicht zu vermeiden. Das angesichts dieser historischen Analyse eine Reform des Sozialstaats dringlicher denn je ist, dazu mahnt Ritter zurecht noch einmal in geraffter Form.

Sein schmales Buch zur "Geschichte der deutschen Einigung" sei deshalb allen empfohlen, die am wahren Preis der deutschen Einheit interessiert sind. Politisch wie wirtschaftlich.

Gerhard A. Ritter:

Wir sind das Volk! Wir sind ein Volk! Geschichte der deutschen Einigung.

C.H. Beck Verlag, München 2009; 191 S., 12,95 €

Aus Politik und Zeitgeschichte

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