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Alexander Weinlein
Angelesen

"Die dünne Rettungsdecke hatte nicht ausgereicht, ihn vollständig zu bedecken. Die Hände lugten heraus, beide waren verbrannt, blutig und schwarz. Auch die Füße sahen unter der Decke hervor. Bekleidet mit unseren Kampfstiefeln, mit unserer Tropenhose. Ein deutscher Kampfanzug." Die Oberstabsärztin Heike Groos ist eine der ersten, die die verletzten deutschen Soldaten des Selbstmordanschlages am 7. Juni 2003 auf der Jalalabad Road in Kabul versorgen muss. Und sie muss die Toten bergen.

Zwei Jahre hat die Medizinerin und Zeitsoldatin in Afghanistan verbracht. Ihre Erinnerungen an den Einsatz hat sie nun unter dem Titel "Ein schöner Tag zum Sterben" veröffentlicht. Auch wenn Verteidigungsminister Franz Josef Jung bis heute das Wort Krieg nach Möglichkeit meidet, wenn er über den Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan spricht, so lassen die sehr persönlichen Schilderungen von Heike Gross keinen Zweifel daran aufkommen, dass sich die 3.800 deutschen Soldaten in einem solchen befinden. Und es ist ein Krieg, aus dem viele deutsche Soldaten nicht nur mit physischen, sondern auch mit psychischen Verletzungen zurückkehren - gepeinigt von Depressionen und Angstzuständen. Gross' Buch ist auch ein Plädoyer, diesen Soldaten eine bessere Betreuung zukommen zu lassen.

Heike Groos:

Ein schöner Tag zum Sterben. Als Bundeswehr- ärztin in Afghanistan.

Krüger Verlag, Frankfurt/M. 2009; 272 S., 18,95 €

Aus Politik und Zeitgeschichte

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