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Kurz rezensiert
Jörg von Bilavsky
Angelesen

"Die deutsche Revolution ist eben die deutsche, wenn auch Revolution. Keine französische Wildheit. Keine russisch-kommunistische Trunkenheit." Nein, hier ist nicht von der friedlichen Revolution im Herbst 1989 die Rede. Hier spricht Thomas Mann über die merkwürdige Normalität, die sich in den letzten Tagen des Ersten Weltkriegs im November 1918 in Deutschlands Großstädten für kurze Zeit breit machte. Doch der Matrosenaufstand in Kiel, die Bildung von Arbeiter- und Soldatenräten sowie die Absetzung Kaiser Wilhelm II. waren bekanntlich nur der Anfang. Obgleich die Ruhe nicht lange anhielt, blieb die Revolution eine unvollendete, wie der Historiker Volker Ullrich vor allem an der zwiespältigen Politik der Sozialdemokraten darlegt. Gleichwohl nimmt der "Zeit"-Autor auch die Pläne und Gewaltexzesse ihrer linken und rechten Widersacher kritisch unter die Lupe.

Volker Ullrichs ausgewogene Sicht- und Darstellungsweise lehnt sich dabei deutlich an die des Weimar-Spezialisten Heinrich August Winkler an. So liefert er in seinem kurzen Abriss zwar solide Deutungen, aber keine wirklich neuen Impulse. jvb z

Volker Ullrich:

Die Revolution von 1918/19.

Verlag C.H. Beck, München 2009; 128 S., 7,90 €

Aus Politik und Zeitgeschichte

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