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Kurz rezensiert
Jörg von Bilavsky
Angelesen

Börsencrash, Bankenpleiten und Demokratieverdrossenheit erinnern an die krisengeschüttelte Weimarer Republik. Doch die von den Medien aufgespürten Parallelen zwischen der damaligen und der heutigen Krise erweisen sich als wenig sachdienlich. Ein Blick in das kurz gefasste Weimar-Porträt des Erfurter Zeithistorikers Gunther Mai zeigt, wie grundverschieden die Problemlagen von damals und heute sind.

Nicht allein die Kriegsniederlage, der Versailler Vertrag oder die strukturellen Schwächen der Verfassung und des politischen Systems beförderten für Mai das Scheitern der ersten deutschen Demokratie. Für den Historiker liegt der Kern aller politischen und kulturellen Konflikte vor allem im "dramatisch überlasteten Prozess des Übergangs von der agrarisch geprägten zu einer industriekapitalistischen dominierten Gesellschaft". Diese explosive Entwicklung zeichnet Mai an den politischen Mentalitäten und Entscheidungen der alten und neuen Eliten überzeugend nach. Allerdings ist die bisweilen etwas abstrakt formulierte Darstellung allzu stark auf die Generalthese zugeschnitten, sodass es ihr streckenweise an Übersichtlichkeit, thematischer Ausgewogenheit und Lebendigkeit mangelt.

Gunther Mai:

Die Weimarer Republik.

Verlag C.H. Beck, München 2009; 136 S., 7,90 €

Aus Politik und Zeitgeschichte

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