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Annette Sach
Unter der Armutsgrenze

KAMPAGNE EU-Kommission startet Jahr gegen Ausgrenzung

Die Europäische Union zählt zu den reichsten Regionen der Welt. Doch fast 80 Millionen Bürger der Gemeinschaft leben unter der Armutsgrenze und sind bei Arbeit, Bildung oder sozialen Dienstleistungen benachteiligt. Die EU will jetzt stärker gegen soziale Ungerechtigkeit vorgehen. Sie hat daher 2010 zum "Europäischen Jahr zur Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung" erklärt. In Madrid erklärte der amtierende EU-Ratspräsident Rodriguez Zapatero am 21. Januar bei der Eröffnung der Kampagne, dass die EU "Politik für alle" machen müsse. Gerade in der Wirtschaftskrise dürften die sozial Schwachen nicht vergessen werden, sagte er. Mit dem europäischen Jahr soll nach Auskunft von EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso das öffentliche Bewusstsein für die Risiken der Armut gestärkt werden. Auch in Deutschland sind zahlreiche Initiativen zum Kampf gegen die Armut geplant. Schirmherrin der Aktion in Deutschland ist die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche (EKD), Margot Käßmann. Sie sagte, dass Armut und Ausgrenzung das Selbstwertgefühl der betroffenen Menschen beschädigen würde. Die Aktionen in Deutschland werden offiziell am 25. Februar in Berlin eröffnet. Europaweit stehen für die Kampagne 17 Millionen Euro zur Verfügung. In Deutschland sollen mit 1,2 Millionen Euro rund 40 Projekte gefördert werden.

Durchschnittlich sind in Deutschland weniger Menschen von Armut betroffen als in der EU. Während dort 17 Prozent der Menschen unter der Armutsgrenze leben, sind es in Deutschland statistisch rund 15 Prozent. Da sich die Armutsdefinition aber jeweils am Einkommen des Landes orientiert, unterscheidet sich auch die so genannte Armutsschwelle.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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