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Parlamentarisches Profil
Goetz Hausding
Moderner Realo: Alexander Bonde

Alexander Bonde twittert gern. So auch am Dienstag der vergangenen Woche, als er vormittags gegen halb elf seine Enttäuschung über den von der Koalition abgelehnten Geschäftsordnungsantrag seiner Grünen-Fraktion öffentlich machte. "Peinlich. CDU&FDP verhindern Antrag zur Abschaffung HotelSteuerprivileg und verteidigen Millionenspende", teilte der Haushaltsexperte unter www.twitter.com /alexbonde mit. Twitter, die neue Kommunikationsplattform für Kurznachrichten, gehöre inzwischen zu seiner Arbeit, erzählt der 35-Jährige, der schon seit 2002 Bundestagsabgeordneter ist. "Ich bin in das Twittern hineingewachsen und habe es als Mittel für den Informationsaustausch schätzen gelernt", sagt Bonde, der sich genauso in dem Online-Netzwerk "Facebook" zuhause fühlt.

Der Schwarzwälder, der in seiner Partei als "Realo" gilt, steht für die Generation "junger Politiker", die nicht nur neuen Informationsmedien offen gegenüber steht, sondern sich auch leichter als manch alt Gedienter in neue politische Bündnisse denken kann. Angesichts des "sich etablierenden Fünfparteiensystems" sei dies auch nötig, sagt Bonde. "Für uns junge Politiker ist es möglicherweise eher denkbar, ganz verantwortlich Dinge zu sondieren, die man so eigentlich nicht im Hinterkopf hatte." Gleichwohl gibt er zu bedenken: "Es wird nicht einfacher mit einem jungen FDPler ein solidarisches Gesundheitssystem zu diskutieren als mit einem alten, wenn der junge wie der alte an das System der Kopfpauschalen glaubt."

Privat lebt Alexander Bonde in einem schwarz-grünen Bündnis. Seit dreieinhalb Jahren ist er mit der ehemaligen CDU-Bundestagsabgeordneten Conny Mayer-Bonde verheiratet. Dominiert das politische Streitgespräch das Wohnzimmer im heimischen Baiersbronn? "Keinesfalls", beruhigt Bonde. "Wir sind politische Menschen und haben auch eine unterschiedliche politische Heimat. Aber es ist nicht so, dass unsere beiden Kinder tief beeindruckt von politischen Debatten nicht gefüttert und nicht gewickelt werden wollen." Schließlich, so Bonde, sei es wie im normalen Leben: "Es gibt viele Probleme, die wichtiger sind als die Bewertung bestimmter politischer Fragen."

Der politische Mensch Alexander Bonde hat sich schon in frühen Jahren engagiert. In Schülerinitiativen war er aktiv, als Schülersprecher hat er fungiert. "Dann gab es einen Punkt, an dem ich gemerkt habe: Um wirklich etwas zu bewegen musst du mehr machen als Initiativen. Und dann habe ich mich parteipolitisch engagiert." Die Wahl in den Bundestag als Ergebnis eines ausgeklügelten Masterplans? "Nein", sagt Bonde, "ich habe die politische Karriere für mich zwar nie ausgeschlossen. Aber es war auch nicht so, dass ich als 16-Jähriger gesagt habe: Mit 27 bin ich Bundestagsabgeordneter." Gleichzeitig räumt er augenzwinkernd ein: "Man musste mich damals aber auch nicht zur Kandidatur überreden." Ersten Kontakt mit dem Bundestag hatte er schon als 17-jähriger Gymnasiast. "Ich hatte mich für das parlamentarische Austauschprogramm zwischen Bundestag und US-Repräsentantenhaus beworben", erzählt Bonde. Das Glück war ihm hold: Er durfte ein Jahr an der Kahuku High School der Hawaii-Insel Oahu verbringen. "Das war schon eine spannende Zeit, auch jenseits der Frage nach Wetter und Strand."

In der laufenden 17. Wahlperiode erlebt der ehemalige baden-württembergische Landesvorsitzende der Grünen Jugend, der vor seiner Wahl in den Bundestag als Persönlicher Referent bei der ehemaligen finanzpolitischen Sprecherin der Grünen-Fraktion im Stuttgarter Landtag arbeitete, nun seine zweite Legislaturperiode als Oppositionspolitiker. Ein schwieriger Part? "Klar kann ein Haushälter als Mitglied der Regierungsfraktion mehr bewegen", weiß Bonde. In der Opposition habe man nur das "gute Argument". "In den Berichterstatterrunden, die fernab jeder Öffentlichkeit stattfinden, kann man vielleicht erreichen, dass es jemand von der Koalition aufgreift. Da darf man dann aber nicht zu eitel sein und hoffen, dass es einem selber zugeschrieben wird." Dass vielleicht nicht. Aber auf Twitter später darauf hinweisen kann man ja trotzdem.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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