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AUFGEKEHRT
Sebastian Hille
Pinunsen für Paschtunen

Die Politik ist und bleibt ein Sprachgigant. Einer der ganz großen noch dazu - größer als Olli Kahn ein Torwart-Gigant war, größer als Muhammad Ali ein Box-Gigant war und auch größer als Dieter Thomas Heck ein Show-Gigant war. Größer also als nahezu alles, was bisher an GROSSEM war. Beweise gefällig? Gerne. Jahresarbeitsentgeltgrenze - das passt noch in eine Zeile? Wie wäre es mit Förderbankenneustrukturierungsgesetz - lässt auch noch zu wünschen übrig? Dann helfen nur noch die Berufsausbildungsvorbereitungsbescheinigungsverordnung und das Rindfleischetikettierungsüberwachungsaufgabenübertragungsgesetz - ein Wort, 63 Zeichen, nahezu zwei Zeilen, das packt nur ein wahrer Gigant. Dass es auch in anderen Bereichen respektable Versuche gibt, steht für Kenner der Worte Feuerwerksraketenanzündeschnursicherheitsverlängerung und Donaudampfschifffahrtselektrizitätenhauptbetriebswerkbauunterbeamtengesellschaft außer Frage. Solch bombastische Ballung wie in der Politik gibt es allerdings nirgends sonst.

Wie man gigantenhaft Probleme sprachlich löst, zeigte jüngst Christian Ruck in einer Afghanistan-Debatte im Bundestag. Erstmals benannte der CDU-Mann einen Großteil der Hindukusch-Hirten als das, was sie sind: Teilzeit-Taliban. Terror machen die bloß von 9 bis 12 Uhr, der Rest des Tages gehört der Familie.

Weil aber ja bei vielen Teilzeitkräften das Einkommen kein gescheites Auskommen bedeutet, will Großwesir Guido den Teilzeit-Taliban das Taliban-Salär aufstocken. Bis die Paschtunen nun endlich ihre Pinusen bekommen, kann es allerdings noch etwas dauern. Nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts zu den Hartz-IV-Regelsätzen will die Bundesregierung sichergehen, dass die Taliban-Aufstockung auch das in der Verfassung garantierte menschenwürdige Existenzminimum sichert.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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