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Kurz rezensiert
Werner Hornung
Angelesen

Für viele Chinesen sind Menschen weißer Hautfarbe einfach "Die Langnasen". Unter diesem Titel haben die Sinologen Yu-Chien Kuan und Petra Häring-Kuan eine Art literarisches Kaleidoskop zusammengestellt, das Komplimente, Kritik und leider auch undifferenzierte Klischees aus dem Reich der Mitte bietet.

Wer "Die Langnasen" zur Hand nimmt und die anschaulich verfassten Kapitel liest, sieht uns aus chinesischer Sicht. Es sind historische Rückblicke auf die deutsch-chinesischen Beziehungen, vor allem aber Momentaufnahmen aus dem Alltag in der Bundesrepublik und (Vor-)Urteile über "die Deutschen". Dazu hat das Autorenpaar sowohl hierzulande als auch in der Volksrepublik zahlreiche Gespräche geführt. Und ganz gleich, ob chinesische Diplomaten, Geschäftsleute, Künstler oder Wissenschaftler antworten, fast alle bewundern sie die deutsche Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit und Sauberkeit, andererseits fallen ihnen Hochnäsigkeit und "Schubladendenken" unangenehm auf.

Mag manches zu pauschal sein oder nicht; richtig bleibt aber ein Satz von Altbundeskanzler Helmut Schmidt, von dem das Vorwort stammt: "Jeder von uns muss noch ein bisschen was dazulernen."

Yu-Chien Kuan, Petra Häring-Kuan:

Die Langnasen. Was die Chinesen über uns Deutsche denken.

Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt/M. 2009; 317 S., 8,95 €

Aus Politik und Zeitgeschichte

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