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Sandra Ketterer
Kreativ auf dem Kaiser-Sockel

Einheitsdenkmal

Fast unbemerkt von der Öffentlichkeit hat die zweite Ausschreibung für das in Berlin geplante Freiheits- und Einheitsdenkmal Anfang Februar begonnen. Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) gab eine kurze Pressemitteilung heraus. Einige kurze Zeitungsartikel erschienen. Das war es aber auch schon.

Anders im vergangenen Jahr: Ende April 2009 weigerte sich die Jury, bestehend vor allem aus Architekten und Politikern, einen der 532 eingereichten Entwürfe zum Sieger zu erklären. Weder ein goldener Ring noch eine überdimensionale Banane oder ein Baum hatten die Preisrichter überzeugt. Der mediale Spott folgte auf dem Fuße. Das bunte Ergebnis lag vermutlich in erster Linie an der Aufgabe: Das Denkmal sollte alle Freiheitsbewegungen von der Märzrevolution 1848 bis zur Vereinigung Deutschlands 1989 würdigen. So hatte es der Bundestag Ende 2007 beschlossen. Und das auf dem 3.000 Quadratmeter großen Sockel des ehemaligen Kaiser-Wilhelm-Denkmals in Berlin-Mitte. Die Vorsitzende des Bundestagsausschusses für Kultur und Medien, Monika Grütters, bezeichnet den ersten Wettbewerb als "Überforderung für viele Künstler" (Interview S. 12). Es gehöre aber zu einem demokratischen System dazu, dass man Fehler eingesteht und daraus lernt.

Zuversicht bei den Fraktionen

Mit der neuen Ausschreibung sollen die Künstler eine präzisere Anleitung erhalten. Jetzt beschränkt sich die Herausforderung auf ein Denkmal für die friedliche Revolution in der DDR im Herbst 1989. Auch das Prozedere wurde geändert: Zwar gibt es noch ein offenes Bewerberverfahren, doch danach folgt ein geschlossener Wettbewerb aus 30 Teilnehmern. Am 3. Oktober 2010, dem 20. Jahrestag der Einheit Deutschlands, soll der Sieger präsentiert werden.

Die Bundestagsfraktionen sehen das Vorgehen teilweise skeptisch. Claudia Roth (Bündnis 90/Die Grünen) beklagt, dass eine "breite inhaltliche Debatte" um das Denkmal immer noch ausstehe. "Es geht ja nicht darum, möglichst schnell Steine aufzurichten, sondern um einen historischen Diskurs", sagt Roth. "Das Verfahren erfordert einen neuen Standort", wiederholt Lukrezia Jochimsen (Die Linke) ihre Kritik. Das ehemalige Kaiser-Denkmal habe nichts mit der Freiheitsgeschichte zu tun.

Zuversichtlich äußert sich Siegmund Ehrmann, kulturpolitischer Sprecher der SPD: "Ich bin optimistisch, dass man im zweiten Anlauf zu einem guten Ergebnis kommen wird." Ihm sei wichtig, dass deutlich werde, welche Bedeutung der Herbst 1989 für die deutsche Geschichte habe. "Mit dem Denkmal erfährt die junge Generation, dass unser Land eine eindrucksvolle Freiheitstradition hat", zeigt sich auch der kulturpolitische Sprecher der CDU/CSU, Wolfgang Börnsen, optimistisch. Das veränderte Prozedere garantiere "Erfahrung im Umgang mit vergleichbaren Projekten", gibt Reiner Deutschmann (FDP) zu Bedenken. Gut sei auch, dass Leipzig ein eigenes Denkmal erhalte und die Künstler für das Berliner Denkmal also nicht mehr, wie im ersten Anlauf, auf die Leipziger Ereignisse ebenfalls eingehen müssten.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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