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ORTSTERMIN BEIM: BENEFIZTURNIER DES FC BUNDESTAG
Götz Hausding
»Ihr müsst den Ball rollen lassen«

Inzwischen geht ja so gut wie jede Koalition in der deutschen Politik, wie die jüngste Vergangenheit gezeigt hat. Da findet Rot mit Schwarz, aber auch Schwarz mit Grün zusammen. Grün und Rot sowieso und auch Gelb und Schwarz. Selbst Schwarz, Grün und Gelb können auf einmal miteinander. Doch alle Farb- und Zusammenarbeits-fantasien haben normalerweise ein Ende, wenn sie sich auf Union und Linkspartei beziehen. Nicht so beim siebten Benefizturnier des FC Bundestages, das am 2. März 2010 in der Sporthalle des Bundestages stattfand. Da spielten sich die beiden Fraktionen beim Eröffnungsspiel gerne die Bälle zu: Der Unionsabgeordnete Klaus Riegert (links) passte den Ball auf den Linken-Parlamentarier Paul Schäfer. Der täuschte einen Schuss an, ließ den Gegenspieler ins Leere laufen und spielte den freistehenden Konservativen Christian von Stetten an. Dessen Schuss verfehlte das gegnerische Tor nur knapp. Es blieb beim 0:0 im Eröffnungsspiel, auch weil sich Hendrik Grunewald, Mitarbeiter des CDU-Abgeordneten Ralf Braucksiepe, als hervorragender Torwächter der Parlamentarier erwies.

Interfraktionelle Zusammenarbeit der sportlichen Art wurde also groß geschrieben bei dem Turnier, an dem insgesamt neun Teams teilnahmen. Neben zwei Bundestagsmannschaften waren Teams von sieben Unternehmen vertreten. Die Firmen hatten dazu beigetragen, dass 25.000 Euro an Spenden für medizinische Hilfsprojekte in Eritrea zusammenkamen. Dafür fand Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU, rechts), der das Turnier eröffnete, lobende Worte: "Ich freue mich, dass sich so viele Mannschaften gefunden haben, die ihren Beitrag zu diesem wichtigen Anliegen leisten wollen." Dass er von Teamkapitän Riegert nicht als Mitspieler angefragt wurde, führte er augenzwinkernd darauf zurück, dass sein Fraktionskollege ihn vor einem Verletzungsrisiko schützen wollte.

Fußballspielende Abgeordnete haben im Bundestag seit Bonner Zeiten Tradition. Bereits 1961 kickten Parlamentarier für einen guten Zweck gegen Prominente. Seit 1967 trainieren sie regelmäßig als "FC Bundestag": eine Tradition, die in Berlin fortgeführt wurde.

Sportlich durchaus ambitioniert ging es auch beim jüngsten Benefizturnier zu. "Ihr müsst den Ball rollen lassen und die Bande einsetzen", gab der Coach des Teams des Kurierunternehmens UPS seinen Spielern mit auf den Weg. Mit Kopf und Auge zu spielen sei der Schlüssel zum Erfolg. Die Männer von Coca Cola demonstrierten derweil ihr Können am Ball. Minutenlang, so schien es, blieb dieser in der Luft. Hacke, Spitze eins, zwei, drei - skeptisch beobachtet vom liberalen Abgeordneten Hans-Peter Haustein, Mitglied im Team FC Bundestag II. Hausteins Taktik war danach klar: Sollen die doch ihre Kunststückchen versuchen. Wenn ein Abgeordneter aus dem Erzgebirge erst seinen Körper dazwischenstellt, ist es schnell vorbei mit technischem Schnickschnack. So richtig auf ging die Taktik jedoch nicht. Die fast vollständig aus FDP-Abgeordneten bestehende zweite Mannschaft der Gastgeber wurde schlichtweg überrannt von den wuseligen Softdrink-Herstellern. Am Ende gab es eine satte 1:5-Klatsche.

Viel besser wurde es auch im späteren Verlauf des Turniers nicht. Die Männer um Haustein, Frank Schäffler und Florian Toncar blieben sieglos und belegten den letzten Platz. Im nächsten Jahr sollten sie sich nach Verstärkungen auch in anderen Fraktionen umsehen. Die Grünen etwa waren stark unterrepräsentiert: Genau genommen war nicht ein Abgeordneter am Start. Und das, obwohl mit dem Ex-Außenminister Joschka Fischer einer der ihren in den vergangenen Jahren zu den aktivsten Kickern gehörte.

Zur Ehrenrettung der parlamentarischen Fußballer trug das Team von Kapitän Riegert bei - nicht umsonst gilt dieser als "Kaiser Franz des Bundestagsfußballs". Die Mannschaft belegte den dritten Platz. Der Turniersieg ging an die Mannschaft von ISS/Vatro, die im Finale die Cola-Kicker besiegte.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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