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AUFGEKEHRT
Alexander Weinlein
»Alles außer Atomausstieg«

Es gibt definitiv ein Zuviel an Information. Das sah Robert Carlos de Souza, Bürgermeister der südbrasilianischen Stadt Navegantes, genauso und verbot an öffentlichen Schulen das Tragen sogenannter Sex-Armbänder. Mit den farbigen Armbändern signalisierten Schüler ihrer Umwelt ihre sexuellen Vorlieben. Diesem allzu wörtlich interpretierten Anbandeln zwischen minderjährigen Teenagern machte das besorgte Stadtoberhaupt nun kategorisch ein Ende.

Eigentlich ist die Idee an sich ja durchaus praktisch und konfliktverhütend - zumindest in anderen Lebensbereichen. Wenn man sich anhört, wie in den vergangenen Monaten und Wochen diverse selbsterklärte Wunschpartner in der deutschen Politik sich gegenseitig verbal attackierten und malträtierten, dann böten solche Armbänder doch eine echte Alternative: Gerade für die zukünftige Suche nach Mister und Miss Right an der politischen Singlebörse wären sie nützlich. In Zeiten, in denen die Farbe des Parteibuchs offensichtlich keine feste Orientierung mehr bietet, könnten die verschiedenfarbigen Plastikbändchen so manch böse Überraschung in und nach der Hochzeitsnacht verhindern. "Kopfpauschale macht mich an", "Würde gerne mal einen Mindestlohn ausprobieren", "Bestehe auf Vorratsdatenspeicherung", "Stehe auch für Jamaica zur Verfügung" oder "Mache alles außer Atomaustieg" wären durchaus wichtige Informationen für die richtige Partnerwahl. Mehrfachbändchen möglich.

Allerdings müssten sich die Parteien vorher auf ein verbindliches Regelwerk verständigen. Da Politiker ja bekanntlich gewitzte Menschen sind, sollte unbedingt gewährleistet sein, dass es zu keinen wilden Armbandwechseln kommt. Schon Konrad Adenauer formulierte vor einem halben Jahrhundert: "Was interresiert mich mein Bändchen von gestern." Oder so ähnlich.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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