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AUFGEKEHRT
Götz Hausding
Vulkanischer Aufruhr

Island will in die Europäische Union aufgenommen werden. Eine gute Idee urteilten die Fraktionen des Deutschen Bundestages in der vergangenen Woche. Dabei hat sich der Beitrittskandidat bei den Europäern zuletzt ziemlich unbeliebt gemacht. Erst brechen die drei größten Banken des Landes zusammen, was fast zu einem Staatsbankrott führt, dann weigern sich die Isländer per Volksabstimmung auch noch, den zumeist holländischen und britischen Anlegern ihr verlorenes Geld aus dem privaten Portemonnaie zurückzuzahlen. Das alles hat wohl den Eyjafjallajökull-Vulkan derartig in Aufruhr versetzt, dass er seit Tagen Asche spuckt. Womit Island einen Exportartikel kreiert hat, der eher wenig Anklang findet. Unterbrochener Flugverkehr, Milliardenverluste für die Wirtschaft, ein im Fokus der Kritik stehender deutscher Verkehrsminister und unzählige genervte Urlaubsreisende waren die Folge - nicht unbedingt eine Empfehlung für den Eintritt in den exklusiven Club der Europäer.

In deren Gemeinschaft es ja an fragilen Staaten ohnehin nicht mangelt. Griechenland hat unlängst angekündigt, nun wohl doch - welch Überraschung - auf den EU-Hilfsfond zurückgreifen zu wollen. 30 Milliarden Euro würden dann fällig werden. Auch Portugal, Spanien und Italien sitzen auf riesigen Schuldenbergen. Auf dem Territorium dieser vier Staaten befinden sich im Übrigen ebenfalls aktive Vulkane. Sollten sich also Ätna (Italien), Teide (Spanien), Capelinhos (Portugal) und Milos (Griechenland) ähnlich echauffieren, wie ihr isländischer Kollege, dürfte Europa nachhaltig eingenebelt werden. Wer dann beispielsweise von Deutschland nach Italien reisen möchte, kann auf die Pferdekutsche umsteigen, wie einst Geheimrat Johann Wolfgang Goethe. Dauert zwar ein bisschen länger, aber man hat ordentlich was aufzuschreiben danach und kann berühmt werden.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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