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AUFGEKEHRT
Götz Hausding
Gib mir mal 'ne Flasche Bier!

Eurokrise hier, verheerende Landtagswahlergebnisse für die Union dort und dazwischen der andauernde Streit mit dem Koalitionspartner. Von den ewig nörgelnden Ministerpräsidenten der eigenen Partei mal ganz abgesehen: Angela Merkel hat es innenpolitisch derzeit wirklich nicht leicht. Aber auch mit den europäischen Amtskollegen ist es kompliziert. Wie sich zeigte, als die ausgeschlafenen Schlaufüchse Nicolas Sarkozy und Silvio Berlusconi sich just im Moment, in dem sich Merkel kurz nach dem Befinden ihres Wahlschlappen-gepeinigten Parteifreundes Jürgen Rüttgers erkundigte, zu den einzig wahren Eurorettern erklärten. Und das, weil sie angeblich gegen den Widerstand Merkels die bonfortionöse Idee ausgegraben haben, mit viel deutschem Steuergeld dem fiesen, wenngleich noch immer unbekannten Spekulanten mal so richtig den Kampf anzusagen. Feine Kollegen. Nein, der Berufswunsch Kanzlerin hat derzeit wenig Konjunktur.

Doch Besserung ist in Sicht - Mitte Juni ist zumindest ein Lichtstreif am Horizont zu erkennen. Dann beginnt die Fußballweltmeisterschaft in Südafrika. Ein Sommermärchen wie einst 2006 - au ja, das wäre fein. Ein Hindernis auf diesem Wege ist schon mal ausgeräumt: Nach langem Hin und Her hat sich der Fußballweltverband FIFA bereit erklärt, auch kommerzielles "Public Viewing" zu erlauben. Das freut auch die Betreiber des Bundespressestrandes im Berliner Regierungsviertel. Wenn dort 3.000 Menschen siegestrunken nach dem Finalsieg gegen Italien gemeinsam schunkeln, darf sich sicher auch die Kanzlerin einreihen und ein paar glückliche Momente erleben, ohne gleich nach Geldstabilität, Staatsverschuldung und Steuererleichterungen gefragt zu werden. Zumindest wenn es ihr gelingt, die zu erwartende Inflation, die zu einer Verdopplung der Bierpreise führen könnte, auf den Tag nach dem Finale zu verschieben.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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