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VOR 55 JAHREN ...
Sandra Ketterer
Die Anfänge der Bundeswehr

6. Juni 1955: Gründung des Verteidigungsministeriums

Eine Armee für die Bundesrepublik? In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg lehnten die meisten Bundesbürger solche Pläne ab. Die USA, Frankreich und England, auf deren Zustimmung der christdemokratische Bundeskanzler Konrad Adenauer angewiesen war, zeigten sich ebenfalls skeptisch. Doch schon 1950 begann der CDU-Politik Theodor Blank im Auftrag Adenauers, erste Verhandlungen zum Aufbau einer westdeutschen Armee zu führen. 1955 war Adenauer dann am Ziel: Er ernannte Blank zum ersten Verteidigungsminister der Republik. Am 12. November desselben Jahres begrüßte Blank die ersten 101 freiwilligen Soldaten der Bundeswehr.

Der Weg dahin war steinig. Spätestens seit dem Koreakrieg 1950 neigten die Westmächte zwar dazu, Adenauer eine Armee zu bewilligen. Sie befürchteten, dass sich die Sowjetunion sonst Westdeutschland einverleiben würde. Aber insbesondere Frankreich hatte Angst vor einem wiederbewaffneten Deutschland. Für die Verhandlungen mit den Besatzern wählte Adenauer bewusst den Zivilisten Blank. Auf diese Weise demonstrierte er, dass die Politik die Oberhand über das Militär behalten sollte.

Blank begann mit etwa 20 Mitarbeitern. 1953 waren es ungefähr 700. Der Durchbruch bei den Verhandlungen gelang 1954 mit der Unterzeichnung der "Pariser Verträge", in denen die Bundesrepublik weitgehende Souveränität erlangte. Als Folge wurde sie 1954 in die "Westeuropäische Union" und 1955 in die Nato aufgenommen. Schon 1956 wurde dann der CSU-Politiker Franz Josef Strauß Verteidigungsminister, Blank wechselte ins Arbeitsministerium.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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