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Michaela Hoffmann
Zeitarbeit: Fluch oder Segen?

ANHÖRUNG Die einen Experten bejubeln die Leiharbeit als Jobmotor, die anderen kritisieren die »Zweite-Klasse-Arbeitsplätze«

Das Urteil über die Leiharbeit fällt unter Experten höchst unterschiedlich aus. Dies zeigte sich bei der Anhörung des Ausschusses für Arbeit und Soziales am vergangenen Montag. Anlass der Expertenbefragung waren der elfte "Bericht der Bundesregierung über Erfahrungen bei der Anwendung des Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes" (17/464) sowie drei Anträge der Fraktionen der SPD (17/1155), Die Linke (17/426) und von Bündnis 90/Die Grünen (17/551).

Für Jürgen Wuttke von der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) ist die Zeitarbeit ein "regelrechter Jobmotor", der dem Konjunktur-Aufschwung ein Stück vorauseile. Im Frühjahr 2006 hätten 75 Prozent aller Neueinstellungen in der Zeitarbeit stattgefunden, 2008 sei es nur noch jeder zehnte Neubeschäftigte gewesen. Christian Rauch von der Bundesagentur für Arbeit (BA) sagte, durch die Zeitarbeit sei die Beschäftigungsschwelle von 2,3 Prozent Wirtschaftswachstum auf "deutlich unter 2 Richtung 1" gesunken. Die Beschäftigungsschwelle besagt, wie hoch das Wachstum sein muss, damit es zum Aufbau von Arbeitsplätzen kommt. 62 Prozent der in der Zeitarbeit neu Beschäftigten seien zuvor ohne "direkte Beschäftigung" gewesen, betonte Rauch. Sowohl der Vertreter der BA als auch Claus-Georg Schneider vom Arbeitgeberverband Mittelständischer Personaldienstleister e.V. wandten sich gegen die Rücknahme der in den Jahren 2003 und 2004 geschaffenen Erleichterungen bei der Einstellung von Zeitarbeitnehmern, da dies den Unternehmen Flexibilität nähme.

Johannes Jakob vom Deutschen Gewerkschaftsbund beurteilte die Zeitarbeit wesentlich kritischer. Er berichtete, dass es von 2008 bis zum zweiten Quartal 2009 "mehr Abgänge als Eintritte" in die Zeitarbeit gegeben habe, dass es dort "nach wie vor keine stabilen Beschäftigungsverhältnisse" gebe, die Beschäftigungszeiten kurz seien und die Lohnunterschiede hoch. Er sagte, dass nach einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, "lediglich sieben Prozent" der Zeitarbeiter dauerhaft beschäftigt würden.

Der Soziologe Professor Klaus Dörre beschrieb den Trend zu einer Mehrklassen-Arbeitnehmerschaft und sagte, bei der "strategischen Nutzung" der Leiharbeit gehe es den Unternehmen nicht um dauerhafte Beschäftigungsverhältnisse, sondern darum, Arbeitnehmer "unterhalb der Standards" anzustellen.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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