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FINANZPRODUKTEGastkommentar
Joachim Jahn
Mündige Verbraucher

Über die Rettung der Banken und des gesamten Finanzsystems ist der Schutz der Anleger etwas in Vergessenheit geraten. Und zu kurz, meinen alle Parteien. Bündnisgrüne und Linksfraktion drängen auf einen entschlossenen Ausbau. Union und Liberale haben eine eigene Gesetzesinitiative noch für den Sommer angekündigt.

Ein "Finanz-TÜV" kann dabei keine Lösung sein. Keine Kapitalanlage ist hundertprozentig sicher, wie der Zusammenbruch der amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers auch deutschen Sparern schmerzlich gezeigt hat. Die Vorstellung von Verbraucherschützern, eine unabhängige Prüfinstanz könne Finanzprodukten (und Lebensmitteln) wie bei einer Verkehrsampel ein farbiges Güte- oder Warnsiegel verpassen, ist zu einfach. Jede Anlageklasse hat ihre eigenen Stärken und Schwächen. Verbraucher können und müssen selbst entscheiden, auf wie viel Rendite sie spekulieren - und wie viel Risiko sie dafür in Kauf nehmen.

Die Liste der Gesetzesverschärfungen, mit denen die Banken und andere Finanzdienstleister in die Haftung genommen wurden, ist schon jetzt lang. Eine strenger gewordene Haltung des Bundesgerichtshofs kommt hinzu. Es mag sein, dass zumindest auf dem Feld des "Grauen Kapitalmarkts" mit seinen mitunter dubiosen Fonds und Vertriebsleuten noch ein paar klare Regelungen fehlen. Mehr Transparenz, ein Minimum an behördlicher Aufsicht und beruflicher Qualifikation wären nicht schlecht. Doch viel einfacher und zugleich effektiver wäre es, Anleger an ihre Mündigkeit zu erinnern. Wer immer neue Paragrafen in die Welt setzt, verteuert durch diese bürokratischen Lasten die Produkte auch für jene Investoren, die von sich aus Vorsicht walten lassen. Und bei Betrug und Anlageschwindel schreiten schon jetzt Polizei und Strafjustiz ein.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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