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Marc Engelhardt
Mit »Tempo 100« durch die Dünen

REISEN Snowboard der Renner in Namibia - Wüstentourismus als boomender Wirtschaftszweig

Als die Sonne schon hinter dem Horizont verschwunden ist, leuchtet der Sand im Namib-Naukluft-Nationalpark noch einmal auf. Die tiefroten Dünen scheinen regelrecht zu glühen, bevor sie in der Dunkelheit der Nacht verschwinden. Fast 50.000 Quadratkilometer umfasst die Namib-Wüste, die sich vom südlichen Lüderitz bis zum nördlichen Swakopmund am Atlantik entlang zieht. Nur ein Bruchteil ist für Besucher zugänglich, und doch ist die Ödnis das beliebteste Reiseziel im ehemaligen Südwestafrika. Dünen, Wüstenebenen, Gebirgsmassive, tiefe Schluchten und Lagunen gehören zu ihren Attraktionen. Neben Wanderungen ist vor allem das Erklettern der höchsten Dünen der Welt im Sossusvlei ein Höhepunkt - sie können mehr als 300 Meter hoch sein. In anderen Landesteilen bieten Einheimische geführte Erkundungstouren an, bei denen Besucher mehr über das harte Leben in der Wüste erfahren können.

Kein anderer Wirtschaftszweig erlebt in Namibia seit Jahren einen derartigen Aufschwung wie der Wüstentourismus. Nach dem Diamantenexport bildet er das wichtigste ökonomische Standbein des Landes. Dabei ist es eine ständige Herausforderung, Urlaubern immer Neues zu bieten. "Mit der klassischen Wanderung ist es da längst nicht mehr getan," sagt James Tromp, der den Reiseveranstalter "Desert Explorers" in der Stadt Swakopmund leitet: "Besonders beliebt sind unsere Quadbike-Touren." Auf den mit großen Gummirädern ausgestatteten Vierradfahrzeugen rasen meist junge Urlauber die Dünen herauf und herab, meistern Haarnadelkurven und kokettieren mit dem Sturz in den weichen Sand.

Wenn es um Abenteuerurlaub für Adrenalinjunkies geht, ist Swakopmund inzwischen im südlichen Afrika das Reiseziel Nummer eins. "Mit dem von mir entwickelten Sandboard kann man Geschwindigkeiten von bis zu 100 Kilometern pro Stunde erreichen", sagt der lokale Aktionskünstler Laidlaw Peringada. Aus Fiberglass hat er ein Snowboard entwickelt, das auf der Innenseite des weit hoch gezogenen Bugs zwei Griffe zum Festhalten hat. Sandboarding gibt es schon lange in Namibia, aber Peringada hofft, dass sein Board den Sport sicherer und noch beliebter macht. "Namibia hat die höchsten Dünen der Welt. Es gibt keinen Grund, warum Sandboarding nicht unser Nationalsport werden sollte", sagt er.

Hilfe vom Staat

Namibias Parlament und Regierung unterstützen den Wüstentourismus. Gerade wurde im ehemaligen Diamantenminen-Sperrgebiet der zweitgrößte Nationalpark Afrikas ausgewiesen. "Davon werden die Gemeinden rund um das Wüstengebiet besonders profitieren", verspricht Umweltministerin Netumbo Nandi-Ndaitwah. Konzessionen werden zuerst an Anlieger vergeben, um die Arbeitslosigkeit in den entlegenen Regionen zu bekämpfen. Die Wüste in Namibia ist damit zum Beschäftigungsmotor geworden.

Der Autor abeitet als freier Journalist in Nairobi.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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