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Rainer Poeschl
Aug' in Aug' mit einer betörenden Dame

Haushaltsausschuss Sarkozys listiger Coup trifft ins Herz sparsamer deutscher Politiker

Steffen Seibert hat´s nicht leicht. Eben noch die leicht verkorksten Beziehungen zwischen Élysée und Uckermark als Premier Cru Supérieur verkauft ("Die deutsch-französischen Beziehungen sind absolut gesund"), da verkostet die Prinzipalin schon einen neuen Schoppen, der unter die lauernde Meute gebracht sein will: "Die Bundeskanzlerin fände dies eine gute Idee, weil Frau Bruni-Sarkozy den Haushältern wichtige Argumente liefern könnte, warum die Arbeit des Global Fund wichtig ist".

Haushälter? Bundeskanzlerin? Gute Idee?

Schuld ist wieder mal Sarko. Nikolas Sarkozy wäre nicht französischer Präsident, wenn er die Kanzlerin nicht mit einem ebenso harmlosen wie hinterlistigen Coup aus den Qualen ihres "Herbstes der Entscheidungen" risse: der Geheimwaffe Carla. Bezaubernd, effektvoll und praktischerweise zugleich die First Lady der Grande Nation. Carla Bruni hatte an der Seite ihres Mannes in New York Angela Merkel um eine Ansprache im Bundestag gebeten, um als Sonderbotschafterin der Hilfsorganisation "Global Fund", die sich weltweit im Kampf gegen Aids, Tuberkulose und Malaria engagiert, für eine Aufstockung der deutschen Zuwendungen um 200 Millionen Euro zu werben. Weiß Gott eine schöne Idee. Nur - na ja, die Kanzlerin ("Wir haben gezeigt, was in uns steckt") hat halt gleich einen Auftritt vor dem Haushaltsausschuss des Bundestages anempfohlen, woraufhin sich das Finanzministerium beeilte, die Einladung den Haushaltspolitikern zu geben, woraufhin die Presse zu komödiantischen Headlines neigte ("Merkel erlaubt Brunis Treffen mit Abgeordneten"), woraufhin es trotz Seiberts kalmierendem Bescheid aus dem Reichstag schallte: Kein Promi-Bonus! Der Haushaltsausschuss darf nicht zum Spielball für Lobbyisten werden! Quelle malheur!

Ganz so heiß, wie sie gekocht wird, möchten die deutschen Haushälter die Merkel-Suppe doch nicht auslöffeln. Ein "informelles Treffen" sei durchaus möglich. Vor allem die Herren im Ausschuss wären dem nicht abgeneigt, wird gemunkelt. Einmal Aug' in Aug' mit einer betörend charmanten Première Dame - das gibt´s in Berlin nicht alle Tage. Aber bitte keine Peinlichkeiten! Nicht auszudenken, dass sich der Entwicklungshilfeminister hinzu gesellt. Denn es ist darauf zu achten, der eleganten Französin jeglichen Geschmackskiller zu ersparen. Man weiß ja nie, welches Outfit Herr Niebel gerade anlegt. BW-Feldmütze Grundform oliv? Unmöglich!

Aus Politik und Zeitgeschichte

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