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Kurz rezensiert
Alexander Weinlein
Angelesen

Als "supertolle Rednerin im Sinne von Charismatikern wie John F. Kennedy oder Barack Obama, Willy Brandt oder Joschka Fischer" gilt Angela Merkel nicht. Trotz dieser Einschätzung präsentiert Robin Mishra, ehemals Hauptstadtkorrespondent des "Rheinischen Merkurs", 41 Reden der Bundeskanzlerin unter dem Titel "Machtworte". Der Titel ist bewusst irreführend gewählt, denn Merkel gilt auch nicht als Politikerin, die wie ihr Vorgänger Gerhard Schröder zu "Basta"-Machtworten neigt. Mishra denkt eher an die Macht der Worte, mit denen Merkel um die Zustimmung für ihre Politik kämpft: "Die Kanzlerin regiert, indem sie spricht." Merkel-Kritiker würden dem entgegenhalten, dass sie sich zu präsidial gebe und es an klassischen Machtworten mangeln lasse.

Das Buch lässt deutlich Mishras Sympathie für Merkel erkennen. Immerhin gelingt es ihm, einen gewissen Spannungsbogen aufzubauen, indem er ihre Reden durch kurze Vorspänne in die jeweilige politische Situation einordnet und zu erklären versucht, was die Kanzlerin mit ihren "Machtworten" zu erreichen versuchte. Insgesamt ist es eher ein Buch für eingefleischte Merkel-Fans. Oder für dezidierte Merkel-Gegner, die nach Widersprüchen zwischen Reden und Handeln fahnden. aw

Robin Mishra (Hg.):

Angela Merkel. Machtworte.

Herder Verlag, Freiburg 2010; 240 S., 17,95 €

Aus Politik und Zeitgeschichte

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