Inhalt

Knut Teske
Der geniale Außenseiter

HERMann Scheer Gründer von »Eurosolar« verstorben

Am 14. Oktober starb völlig überraschend im Alter von 66 Jahren Hermann Scheer. Noch wenige Tage zuvor hatte man den SPD-Abgeordneten in seiner unverwechselbaren Art in einer Debatte des Bundestages erlebt - temperamentvoll, schlagfertig -, als könne ihm sein Alter nichts anhaben.

Scheer war ein herausragender Debatter, ein umfassender Geist, einer, der nach dem großartigen Motto lebte: "Wer Urlaub braucht, hat den falschen Beruf." Er jedenfalls hatte sein Thema gefunden: die Solarenergie - ihre Verwertung als weltweite alternative Lösung der Dauerquerelen um atomare und fossile Energien.

Ein erfolgreicher Weg für ihn, den Gründer von "Eurosolar", der Vereinigung für Erneuerbare Energien. 1998 gewann er den Weltpreis für Solarenergie, 1999 für "unermüdliche Einsatz" sogar den "Alternativen Nobelpreis".

Scheer, von seinen Anhängern als "Sonnenpapst" verehrt, von seinen Gegnern als "Sonnengott" bespöttelt, teilte die Politik, gelegentlich sogar die der eigenen Partei - so, als er 1998 Bundeskanzler Gerhard Schröder die Gefolgschaft beim Nato-Einsatz im Kosovo verweigerte. Immer irgendwie zwischen Realität und Utopie angesiedelt, besaß er den Nimbus eines genialen Außenseiters - durchaus mit der Macht, die einer derart konsequenten Haltung innewohnt. Eigentlich ein Grüner, dessen Loyalität dennoch stets seiner Partei, der SPD, galt; ein Berliner, der Mitte der 60er Jahre freiwillig zur Bundeswehr ging; ein "68er", der 1970 heiratete, ein Linker, der zum Fan des Berliner Bezirksbürgermeisters Heinz Buschkowsky avancierte. Vielseitig dazu. Ein Spitzensportler, der es im Modernen Fünfkampf in die Nationalmannschaft geschafft hat und schon vor 30 Jahren mit seiner Promotion zum Dr. rer. pol und dem Thema "Parteien contra Bürger?" eine höchst aktuelle Betrachtung über die Zukunft der Parteien anstellte.

Er saß seit 1980 im Bundestag, meist an wichtiger energiepolitischer Schalt-, an wirklich konkreter Entscheidungsstelle aber nie. Minister oder Ähnliches ist er nicht geworden. Er mag auf manche Ämter verzichtet haben. Sich seine "Artikulationsfähigkeit" zu erhalten, ist ihm wichtiger gewesen. Wie er sich einmal der "Zeit" gegenüber ausdrückte. Ob Querdenker oder Quertreiber - Hermann Scheer wird dem Parlament fehlen.

Im Eingangsbereich Ost des Reichstagsgebäudes liegt ein Kondolenzbuch aus.

Aus Politik und Zeitgeschichte

© 2016 Deutscher Bundestag