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Christoph Birnbaum
Kurz notiert

Leerverkäufe

Sie sind das Synonym für Spekulationen an Börsen: die Leerverkäufe oder auch "short sellings". Dabei verkaufen Händler Aktien, die sie nur ausgeliehen haben. Wenn der Kurs des Papiers unter den eigenen Verkaufspreis gefallen ist, kaufen sie die Aktien zurück und verdienen an der Differenz. Bei ungedeckten Leerverkäufen sind die verkauften Wertpapiere noch nicht einmal geliehen. Das ist dem Leerverkäufer möglich, weil er zwei Börsentage Zeit hat, um die Wertpapiere zu beschaffen. Damit kann theoretisch ein Vielfaches der Papiere verkauft werden, was starke Kursverwerfungen nach sich ziehen kann. Die Bundesregierung hat im Sommer 2010 alle ungedeckten Leerverkäufe untersagt. Das Verbot betrifft deutsche Aktien sowie deutsche und österreichische Staatsanleihen.

Credit Default Swap

Ein Credit Default Swap (CDS, engl. Kreditausfall-Swap) ist ein Kreditderivat, das es erlaubt, Ausfallrisiken von Krediten, Anleihen oder Schuldnernamen zu handeln. Der CDS ähnelt damit einer Kreditversicherung. Allerdings erhält der Sicherungsnehmer die Ausgleichzahlung unabhängig davon, ob ihm durch den Ausfall des Referenzschuldners überhaupt ein Schaden entsteht. Credit Default Swaps sind also ein Instrument, mit dem unabhängig von bestehenden Kreditbeziehungen Kreditrisiken gehandelt werden können. Mit ihnen wurde zu Beginn der Immobilienkrise gehandelt, um faule Kredite abzusichern. Und auch auf dem Höhepunkt der Griechenland-Krise dienten sie dazu, Ausfallrisiken von griechischen Staatsanleihen abzusichern.

Verbriefungen

Mit ihnen wurden anfangs die vielen faulen Immobilienkredite in den USA gebündelt, umgeschichtet, neugeordnet und von Bank zu Bank weiterverschoben. Am Ende waren fast alle Banken in westlichen Industrieländern von "faulen" Verbriefungen "infiziert". Dabei sind Verbriefungen eigentlich etwas sehr Sinnvolles - sie verteilen die Schuld Einzelner auf viele andere. Denn jeder Zahlungsanspruch von Unternehmen gegen einen Kunden stellt eine Buchforderung dar. Die Verbriefung solcher Forderungen bietet dabei die Möglichkeit zur Refinanzierung, da sie die Forderungen in Wertpapiere umwandelt, die am Kapitalmarkt gehandelt werden können. Für Unternehmen kann diese Art der Kapitalaufnahme eine Alternative zu Bankkrediten darstellen.

Bad Bank

Eine Bad Bank ist eine Auffangbank zur Abwicklung von Problem-Krediten sanierungsbedürftiger Banken. In der aktuellen Finanzkrise kann die Überführung solcher Kredite in eine Abwicklungsbank, für deren übernommenes Kreditportfolio der Staat oder ein Einlagensicherungsfonds die Haftung übernimmt, ein Weg sein, um eine Insolvenz abzuwenden. Eine der ersten deutschen Bad Banks wurde bei der WestLB eingerichtet. In ihr wurden zirka 80 Milliarden Euro an "faulen" Papieren ausgegliedert. Im September 2010 gründete die Hypo Real Estate ein Auffanginstitut. Die dort eingelagerten Kredite, Wertpapiere und Derivate haben einen Gesamtbuchwert von 173 Milliarden Euro - der tatsächliche Wert ist unklar.

Bankenabgabe

Bankenkrisen werden auch in Zukunft Geld kosten. Nach Vorstellung des Finanzministers aber nicht mehr das des Steuerzahlers, sondern das eines Stabilitätsfonds, der aus der neu zu schaffenden Bankenabgabe gespeist wird. Dieser Stabilitätsfonds soll künftige Restrukturierungs- und Abwicklungsmaßnahmen bei Banken finanzieren. Deswegen sollen die Banken mit insgesamt etwa einer Milliarde Euro pro Jahr zur Kasse gebeten werden - jede nach ihrer Größe und nach dem Risiko ihres Geschäftsmodells. Der Gesetzentwurf der Bundesregierung soll Mitte November den Bundestag passieren. Der Bundesrat muss zustimmen und hat bereits Änderungsbedarf angemeldet: die Sparkassen und Genossenschaftsbanken sollen von der Bankenabgabe ausgenommen werden.

Finanzmarktsteuer

Die plötzliche Karriere der früher gemeinhin abgelehnten Finanzmarkttransaktionssteuer zeigt einmal mehr, wie sehr die Finanzkrise das Weltbild der Politik verändert hat. Die Steuer soll kurzfristige Spekulationen eindämmen und die Finanzindustrie an den Kosten der Krise beteiligen. Schon bei einer Abgabe von 0,01 Prozent würden durch die Steuer rund 12 Milliarden Euro in den deutschen Haushalt fließen. Auf dem letzten G20-Gipfel konnten Deutschland und Frankreich für diese Idee keine Mehrheit gewinnen. Auch in Europa findet die Idee zu wenige Anhänger, auch die EU-Kommission ist dagegen, so dass eine Umsetzung derzeit unwahrscheinlich erscheint.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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