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Rolf Benders
Kurz notiert

Sind die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen worden?

Zwei Jahre nach der Finanzkrise ist die Suche nach den Verantwortlichen in den USA noch in vollem Gange. Wenig überraschend hat die Öffentlichkeit ihr Urteil bereits gefällt: Die führenden Manager im "Kasino Wall Street" haben mit ihrer "Gier" die ganze Welt an den Rand des Kollaps geführt.

Juristisch sieht die Sache ganz anders aus: Ausgerechnet der Chef einer - aus amerikanischer Sicht - unbedeutenden kleinen Bank in Deutschland, der Ex-Vorstandsvorsitzende der Mittelstandsbank IKB Stefan Ortseifen, ist weltweit der einzige Topmanager, der wegen seines Verhaltens in der Finanzkrise verurteilt wurde. Er hatte in einer Pressemitteilung im Sommer 2007 die Lage seiner Bank als blendend dargestellt. Nur Tage danach musste die Bundesregierung das Institut mit Milliarden retten. Bislang ist er der einzige, den es vor Gericht erwischt hat, denn zumindest in den USA stehen bis dato nur "kleine Fische" vor Gericht.

Für die Topmanager der Wall Street ist die Lage eindeutig. Sie haben nur getan, was im besten Interesse ihrer Aktionäre war. "Gier" ist eben nicht gesetzeswidrig. Aber bislang sind Verurteilungen wegen des Verhaltens in der Krise nicht einmal bei Richard Fuld, dem Ex-Chef der im Herbst 2008 zusammengebrochenen Investmentbank Lehman Brothers, abzusehen.

Immerhin zog in der vorvergangenen Woche die amerikanische Börsenaufsicht SEC einen Manager zur Rechenschaft: Der ehemalige Chef des einst größten amerikanischen Immobilienfinanzierers Countrywide, Angelo Mozilo, muss insgesamt 67,5 Millionen Dollar zahlen, weil er seine Aktionäre über die gefährlichen Geschäfte des Unternehmens auf dem Hypothekenmarkt im Unklaren gelassen hat. Die Anleger verloren daraufhin viel Geld, während Mozilo selbst rechtzeitig ausstieg und reich wurde.

Bislang waren es, wenn überhaupt, die Unternehmen, die die Rechnungen begleichen mussten. So musste die Investmentbank Goldman Sachs Anfang Juli 550 Millionen Dollar an die Aufsichtsbehörde SEC zahlen, die ihre Klage wegen Kundenbetrugs daraufhin zurückzog. Der Kunde, in dem es in diesem Verfahren ging, war ausgerechnet Ortseifens IKB. Der Vorwurf: Goldman habe der deutschen Bank "toxische" Kreditpapiere verkauft, obwohl sie wussten, dass ein mächtiger Hedge-Fonds-Manager gegen sie wettete. Übrig geblieben ist von der spektakulär vorgestellten SEC-Klage gegen Goldman und die "Abacus" genannte Transaktion lediglich ein Verfahren gegen einen Angestellten der Bank, Fabrice Tourre. Das Verfahren gegen Tourre ist nur eines von vielen gegen Angestellte der großen Banken, das noch nicht abgeschlossen ist.

Der Autor ist New York-Korrespondent des "Handelsblatts".

Aus Politik und Zeitgeschichte

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