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AUFGEKEHRT
Götz Hausding
Bedingt umzugsbereit

Die Guttenbergs machen ernst. Nachdem Karl-Theodor in seiner Funktion als Verteidigungsminister das Ende der Wehrpflicht eingeleitet hat und seine Gattin Stephanie in ihrer Funktion als seine Ehefrau via Boulevard-Sender RTL-2 Jagd auf Pädophile macht, holt der Minister zum nächsten gewaltigen Schlag aus. Das Verteidigungsministerium soll nach Berlin umziehen. Wie jetzt? fragen Sie sich. Ist nicht Berlin Bundeshauptstadt und Sitz der Bundesregierung? Freilich doch! Keine Sorge, Sie haben nichts grundlegend falsch verstanden.

Nur der Ordnung halber sei erwähnt, dass noch immer sechs Bundesministerien ihren Hauptsitz in der ehemaligen Bundeshauptstadt Bonn haben, darunter eben das Verteidigungsministerium. Festgelegt ist das im Berlin/Bonn-Gesetz von 1994, mit dem den Bonnern die Trauer um den Verlust des Status als Regierungssitz gemindert werden sollte. Ob sich Guttenberg mit seinen Umzugsplänen durchsetzen kann, wird sich zeigen. Die Bonner fürchten schonmal das Schlimmste: Ist erst der Damm gebrochen, folgen womöglich auch die anderen Ministerien.

Widerstand formiert sich auch unter den Bundestagsabgeordneten. Zumindest jenen, die aus Nordrhein-Westfalen kommen. Die Fraktionszugehörigkeit spielt da eine untergeordnete Rolle. So zeigt sich der CDU-Mann Wolfgang Bosbach - direkt gewählt im Rheinisch-Bergischen Kreis - mit den Planungen "nicht einverstanden". Sein SPD-Kollege Ulrich Kelber - mit Bonner Direktmandat - warnt davor, "Recht und Gesetz zu brechen". Kein Problem mit dem Umzug hat hingegen der verteidigungspolitische Sprecher der Union Ernst-Reinhard Beck. "Die politische Musik spielt längst in Berlin", findet er. Diese Einschätzung kann er sich auch leisten - mit einem Wahlkreis im baden-württembergischen Reutlingen, weit weg von Bonn.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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