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Josef Göppel (CDU/CSU), Mitglied des Umweltausschusses
FÜNF FRAGEN ZUR: ARTENSCHUTZKONFERENZ

Herr Göppel, wie beurteilen Sie das Ergebnis der UN-Artenschutzkonferenz?

Zur Überraschung aller Beobachter kam es im letzten Moment noch zu einem einvernehmlichen Beschluss der Teilnehmerstaaten, den Entwicklungsländern einen gerechten Anteil an der wirtschaftlichen Verwertung von Rohstoffen aus Pflanzen, Tieren und Mikroorganismen zu geben. Darüber hinaus wurden 20 Ziele zum Erhalt der Artenvielfalt festgelegt.

Wie haben Sie die Konferenz erlebt? Wurde über Sanktionen gesprochen?

Mich hat die Arbeitsatmosphäre beeindruckt. Die Delegierten machten konkrete Vorschläge zur Sitzungsvorlage der UN. Manchmal wurde um einzelne Worte gerungen. Die Konferenz war vom Verlangen der Entwicklungsländer nach gerechter Teilhabe bei der kommerziellen Verwertung ihrer natürlichen Güter geprägt. Gastgeber Japan und die Europäer wollten ein positives Ergebnis; Kanada, Neuseeland, Australien bremsten eher. China meldete sich ablehnend, wenn es um Klimaschutzverpflichtungen ging. Die USA haben nur Beobachterstatus, weil sie das Abkommen zur biologischen Vielfalt nicht unterschreiben. Sanktionen gegen uneinsichtige Länder kann eine solche Konferenz nicht aussprechen.

Das Artensterben konnte kaum gestoppt werden. Was kann man tun?

Der gerechte Vorteilsausgleich spielt auch für den Erhalt der Artenvielfalt eine große Rolle. Wenn zum Beispiel artenreiche Wälder ökonomisch etwas wert sind, dann werden die Regierungen auch besser für deren Schutz sorgen. Daneben spielte in Nagoya erstmals die Verbindung von Ökologie und Kulturtraditionen eine große Rolle. Es kam zur Gründung des internationalen Netzwerks "Satoyama", an dem sich 51 Organisationen aus allen Erdteilen beteiligen. "Satoyama" bedeutet Landnutzung in Harmonie mit der Natur. Ich zeigte mit einem Vortrag auf der Konferenz auf, dass mit dem alten deutschen Begriff Landschaftspflege das gleiche Ziel verfolgt wird.

Kann man Ressourcen gerecht aufteilen?

Der gerechte Anteil an der wirtschaftlichen Verwertung von Rohstoffen aus Entwicklungsländern ist ein sehr konkretes Anliegen. Diese Staaten verhandelten auch deswegen so hartnäckig, weil sie hier eher Erfolgsaussichten sahen als bei Zahlungen der Industrieländer für Klimaschutzmaßnahmen. Einer Illusion gaben sich manche Konzerne hin, die glaubten wirklich, es ginge immer so weiter, mit quasi kostenlosen Rohstoffen gewinnbringende Produkte zu entwickeln.

Welche Tierart liegt Ihnen besonders am Herzen?

Keine. Für mich als Förster ist der unscheinbarste Schmetterling so viel wert wie Löwe oder Elefant. Über bekannte Tierarten wie z. B Störche finden Projekte mehr Aufmerksamkeit. Davon profitieren auch unscheinbare Arten.

Die Fragen stellte S. Ahlers

Aus Politik und Zeitgeschichte

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