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Peter Spary
Aus Dreggers harter Schule

christian Schwarz-Schilling Kämpferisch auch mit 80

In zwei illustren Feiern - in Bonn am 22.November im Posttower und Berlin am Tag darauf in der Hessischen Landesvertretung - spiegelte sich in Anwesenheit des Parlamentspräsidenten Norbert Lammert, des früheren österreichischen Ministerpräsidenten Wolfgang Schüssel und des EU-Sondergesandten für Bosnien, Pieter Feith, das 80 Jahre währende Leben des Mannes mit der einst legendären schwarzen Hornbrille in zahlreichen Facetten wider. Vor 30 Jahren als Postminister der "Verkabelungshysterie"geziehen, schaffte es Christian Schwarz-Schilling in seiner zweiten Karriere (oder auch dritten nach seiner Rolle als Unternehmer) auf dem Balkan zum international anerkannten Streitschlichter.

"Bequem war er nie" - unter diesem Motto erschien schon zu seinem 70. Geburtstag eine Festschrift von Freunden und Weggefährten. Seit einem halben Jahrhundert, seinem Eintritt in die CDU 1960, gestaltet er die Politik mit - auf allen politischen Feldern, von der kommunalen bis zur Wirtschafts-, Mittelstands- und Telekommunikationspolitik; in den vergangenen zwei Jahrzehnten dann in der Menschenrechts- und Friedenspolitik. Groß geworden in der hessischen CDU "in der harten Schule Alfred Dreggers", wie er sich in seiner Berliner Dankesrede erinnerte, führte er seine Partei, zuletzt als Generalsekretär, in die Regierungsverantwortung. Mitglied des Landtages von 1966 bis 1976 gehörte er von da ab bis 2002 dem Deutschen Bundestag an.

Dort wurde die Mittelstandspolitik nicht nur in Deutschland zum Schwerpunkt seiner Arbeit. Folgerichtig wurde er der erste Präsident der Europäischen Mittelstandsunion. Schon damals motivierte er diesen Kreis und schuf mit ihm ein "Bollwerk der Freiheit in der Auseinandersetzung mit Marxisten, Sozialisten, Utopisten".

Christian Schwarz-Schilling hat unser aller Leben dann in dem Jahrzehnt von 1982 an entscheidend verändert, als er in der Regierung Kohl zunächst Bundesminister für Post- und Fernmeldewesen, danach Bundesminister für Post- und Telekommunikation wurde. In diesem, "seinem" Jahrzehnt fallen zukunftsweisende Entscheidungen: die Umwandlung der Postbehörde in ein modernes Dienstleistungsunternehmen, der Neuaufbau des Telefonnetzes in den neuen Bundesländern, die Einführung von Kabelfernsehen und Mobilfunk - allesamt Herkulesaufgaben.

Und dann trat er zurück - aus tiefer Enttäuschung über die damalige deutsche Balkan-Politik. Aus dem Fachminister für modernste Technologie wurde ein leidenschaftlicher und prinzipienfester Menschenrechtler. Er übernahm als Außenpolitiker den Vorsitz im Unterausschuss für Menschenrechte und humanitäre Hilfe und mahnte, wo immer auf der Welt die Menschenrechte bedroht waren. Neben dem Balkan wurde Tibet sein Schwerpunktthema. Er wollte einfach nicht akzeptieren, dass im Dialog mit China der Wirtschaftskraft mehr Wert beigemessen wurde als den Menschenrechten.

Zentrum seines politischen Wirkens war und blieb jedoch Bosnien. Hier waren Schwarz-Schillings Stärken dringend gefordert: Geduld, Beharrungsvermögen, Kommunikationsfähigkeit, nicht zuletzt die Liebe zu Land und Leuten. Im April 1995 wurde der Hesse in das Amt eines internationalen Schlichters berufen. Für diesen Einsatz erhielt er 2007 den Hessischen Friedenspreis.

Seit seinem Ausscheiden aus dem politischen Betrieb setzt er seine Schlichtertätigkeit mit dem von ihm 2005 gegründeten CSS-Projekt (CSS für Christian Schwarz-Schilling) fort. Mit Unterstützung unter anderem von Bundestag und Auswärtigem Amt ist CSSP um interethnische Konfliktlösungen auf dem Balkan bemüht. Der Gründer ist Ehrenpräsident und Förderer seiner Stiftung und seit dem Wintersemester 2007/8 durch die Übernahme einer Professur für Politische Wissenschaften an der "School of Science and Technology" in Sarajevo mit dem Thema zusätzlich verbunden. Bequem war er nie - engagiert, kämpferisch, erfolgreich dagegen immer. So wirkt er weiter.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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