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AUFGEKEHRT
Götz Hausding
Ran an die Schippe

Jetzt wird alles gut. Heiner Geißler hat gesprochen und die renitenten Schwaben folgen seinen weisen Worten. Der Trillerpfeifenterror hat ein Ende ebenso wie die Reizgasattacken der uniformierten Freunde und Helfer. Es war schon eine verdammt gute Idee vom 80-jährigen Schlichtungsprofi beiden Seiten Recht zu geben. Ja, euer unterirdischer Bahnhof (S21) ist super und sollte gebaut werden. Und gleichzeitig auch ein Ja für den Umbau des derzeitigen Kopfbahnhofes (K21). Auf los geht's los - jeder baut sein Projekt. Der bessere möge gewinnen! Fairness ist natürlich wichtig. Also Sportsfreunde: Nicht den anderen in die Baugrube machen und auch nicht deren geheime Kostenkalkulation an Wikileaks weitermelden.

Klar muss dem Team von K21 ermöglicht werden, den derzeitigen Baurückstand aufzuholen. Drum ran an die Schippe und die Bahnhofshalle renovieren. Trifft sich ja auch gut, dass gerade der Winter Einzug hält. Die Deutsche Bahn hat da erfahrungsgemäß andere Sorgen, als unterirdische Bahnhöfe zu bauen. Da heißt es Turnhallen entlang der ICE-Strecken anzumieten, um diejenigen Fahrgäste vor dem Erfrierungstod zu retten, die das Wagnis eingegangen sind, trotz Minustemperaturen die Bahn zu nehmen, und prompt liegen geblieben sind.

Doch das große Wettbauen "Oben gegen Unten" bleibt wohl eine Illusion. Schiedsrichter Geißler hat die Favoriten von S21 schon vor dem Anpfiff zum Sieger erklärt. Die ersten Trillerpfeifen haben seine Entscheidung postwendend kommentiert.

Aber es bleibt ja noch eine Chance für das Team K21. Schließlich hat Geißler verlangt, dass der Tiefbahnhof 30 Prozent leistungsfähiger sein muss als sein oberirdischer Gegner. Da sollte genau nachgerechnet werden. Sind es vielleicht am Ende doch nur 29,9 Prozent heißt es: Adieu S21. Dann schlägt doch noch die Stunde des Kopfbahnhofes.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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