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Sibylle Ahlers
Kurz notiert

Kornelia Wehlan, Die Linke

Seit Jahren wird am Flughafen Berlin-Schönefeld gebaut. Der Airport soll Berlin Brandenburg International (BBI) heißen und wird auf 1.470 Hektar Gelände erweitert. Das entspricht 2000 Fußballfeldern. Investoren träumen von einem Verkehrs-Drehkreuz. Doch für die Anwohner sind das keine schönen Aussichten.

Die Landtagsabgeordnete und Verkehrsexpertin der Fraktion Die Linke, Kornelia Wehlan, hat ein Problem. Auf der einen Seite ist man sich landesweit und parteiübergreifend einig, dass der neue Flughafen einen großen Gewinn für die Hauptstadtregion bedeuten kann. Schon vor Aufnahme des Flugbetriebes sind die positiven Auswirkungen unübersehbar. Unternehmen erkundigen sich in der Region nach Standorten, neue Arbeitsplätze entstehen, Familien aus allen Teilen Deutschlands siedeln sich an, moderne Wohngebiete werden geplant und gebaut. Auf der anderen Seite schäumen die Anwohner - und potientiellen Wähler - vor Wut. Sie fürchten den Fluglärm sowie eine Wertminderung ihrer Grundstücke.

Die rot-rote Landesregierung Brandenburgs steht zwischenden Fronten. Trotz ihres vormaligen Widerstandes gegen den Standort muss die Linkspartei den Regierungskurs halten und versuchen, Frieden zu schaffen.

Streit gibt es vor allem über die Planung der Flugrouten. Im September veröffentlichte die Deutsche Flugsicherung neue Abflugrouten. Nach den "alten" Unterlagen sollten die Flugzeuge in gerader Linie starten. Nach den neuen Planungen fliegen einige Maschinen nach dem Abflug einen kleinen Bogen.

Die nordwestliche Route würde so entlang der Berliner Stadtgrenze an mehreren Wohngebieten entlangführen. Viele Familien haben sich aber hier ihre Häuser gekauft. Die Flugrouten stoßen auf erbitterten Widerstand der Anwohner, die sich bisher ungestört glaubten. Sie haben sich in 27 Bürgerinitiativen zusammengeschlossen und protestieren lautstark.

"Es ist für uns keine einfache Situation", sagt Wehlan. "Wir sind nicht verfahrensbevollmächtigt, haben aber als Land eine große Verantwortung für die Öffentlichkeit und die Kommunikation." Sie kritisiert, dass die damaligen Entscheidungsträger für den geplanten Großflughafen einen "denkbar ungünstigen Standort" ausgewählt hätten und ist der Ansicht, dass der ganze Ärger damit bereits programmiert gewesen sei. Besonders Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) kritisiert die brandenburgische Politikerin der Linkspartei scharf. Dieser könne doch die Flugsicherung auffordern, sich zu den einzelnen Varianten zu äußern, fordert Wehlan. Beim Minister vermisst sie Verständnis für die Sorgen der Anwohner: Ramsauer solle sich "einfach mal anzuhören, wie Bürgerinnen und Bürger, die betroffen sind, darüber reden", findet die Abgeordnete.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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