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PRO: VERZICHT AUF BAHN-DIVIDENDEGastkommentar
Michael Bauchmüller
Ein Sanierungsfall

Angenommen, die Bahn wäre ein florierendes Unternehmen: mit überschaubaren Verbindlichkeiten, ordentlichem Gewinn, stabilem Geschäftsmodell. Dann wäre eine Dividende selbstverständlich. Dann wäre nichts dagegen einzuwenden, wenn der Eigentümer aus den Gewinnen Not an anderer Stelle lindert, und sei es der Staat. So aber ist es nicht.

Dagegen spricht der Schuldenberg der Bahn ebenso wie ihre Anfälligkeit für widriges Wetter. Gut 15 Milliarden Euro Schulden schiebt der Konzern vor sich her. Der Bund will 500 Millionen Euro Dividende? Kann er haben - aber dann wird die Tilgung der Verbindlichkeiten länger dauern. Die Last trägt indirekt der Bund als Eigentümer der Bahn - in Form geschmälerter Gewinne. So ist es eben bei einem Tochterunternehmen: Die Abschöpfung von Dividenden ist wie "linke Tasche, rechte Tasche". Geholfen ist dem Bund letztlich nur auf dem Papier.

Nicht anders sieht es mit dem eigentlichen Bahngeschäft aus. Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, dass die Bahn alles andere als gesund ist, dieser Winter hat ihn gebracht. Er konnte das System Schiene auch deshalb so beuteln, weil es der Bahn an Reserven mangelt. Vor allem in der Provinz hat er eklatante Mängel in der Infrastruktur offenbart, fehlende Weichenheizungen, mangelnde Ausweichstellen, marode Stellwerke. Der Bund will Dividende? Kann er haben - aber dann wird er langfristig mehr in die Infrastruktur stecken müssen. Denn die Bahn zehrt von der Substanz.

Sanierung auf Kosten eines Sanierungsfalles - das kann nicht gutgehen. Deutschland wird angesichts steigender Gütermengen die Schiene künftig stärker brauchen als bisher. Sich jetzt an ihr zu bereichern, ist kurzsichtig.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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