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PRO: PUNKTESYSTEM ZUR EINWANDERUNGGastkommentar
Sigrid Averesch
Positive Effekte sehen

Schon seit Jahren wird gefordert, die Zuwanderung zu steuern. Umso verwunderlicher ist es, dass Deutschland bisher auf ein Instrument verzichtet, mit dem es genau das erreichen kann: auf das Punktesystem, das die Zuwanderung von Arbeitskräften aus nichteuropäischen Staaten regelt. Einwanderungsstaaten wie Kanada und Australien wenden es bereits seit Jahrzehnten an.

Sicherlich spielen die Interessen der Wirtschaft bei einem Punktesystem eine wesentliche Rolle. Schon jetzt beklagen Branchen einen Mangel an Fachkräften, der nicht durch deutsche Spezialisten ausgeglichen werden kann. Den Zuzug von Ausländern behindern restriktive Einwanderungsregeln. Eine gezielte Anwerbung von Arbeitskräften durch ein Punktesystem würde den Mangel mindern. Zudem kann in Zeiten, in denen die deutsche Bevölkerung immer älter wird, eine gesteuerte Zuwanderung die Folgen dieses demografischen Wandels abfedern, etwa bei den Sozialsystemen. Auch das liegt im Interesse Deutschlands.

Mit einem Auswahlverfahren würde Deutschland vor allem aber definieren, wer dauerhaft hier leben und arbeiten soll. Neben Punkten für berufliche Qualifikation können solche für schulische Bildung, für Deutschkenntnisse und für das Alter vergeben werden. Diese differenzierten Maßstäbe tragen dazu bei, dass gut ausgebildete Menschen kommen, die hier leben und sich integrieren wollen. Studien aus Kanada belegen diese positiven Effekte. In Deutschland dagegen wird Migration derzeit negativ gesehen. Eine gezielte Einwanderungspolitik mit einem Punktesystem kann langfristig dazu beitragen, das gesellschaftliche Klima zu ändern und Einwanderung als Chance wahrzunehmen.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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