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Kurt rezensiert
Aschot Manutscharjan
Angelesen

Zu Recht wird der Erinnerungsband von Claude Lanzmann in Frankreich als Buch des Jahres gefeiert. Dabei ist die Biografie mehr als "nur" ein literarisches Ereignis: es ist ist ein Dokument der europäischen Zeitgeschichte des 20. Jahrhunderts. Der Autor wurde nicht primär durch sein Privatleben berühmt - die Liebesbeziehung mit Simone de Beauvoir oder die Freundschaft mit Jean-Paul Sartre -, sondern durch seinen epochalen Film "Shoah". Die Idee zum Film, gesteht der Autor, hatte ein befreundeter israelischer Diplomat. Im Kern müsse es darum gehen, nicht einen Film über die Shoah zu drehen, sondern einen Film, der die Shoah ist. Schließlich gebe es bislang keinen Film über den Holocaust aus Sicht der Juden.

Als Kind jüdischer Eltern überlebte Lanzmann die Nazibesatzung und schloss sich noch als Schüler der Résistance an. Später engagierte er sich in der Studentenbewegung von 1968 und kämpfte gegen die Todesstrafe. Lanzmann öffnet ein weiteres Fenster: Der Leser taucht ein in die Welt vergessener Diskussionen, wie die Rechtfertigung des palästinensischen Terrorismus durch Sartre.

Claude Lanzmann:

Der patagonische Hase. Erinnerungen.

Rowohlt Verlag, Hamburg 2010; 682 S. 24,95 €

Aus Politik und Zeitgeschichte

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