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Alexander Weinlein
Nofretete bleibt Berlinerin

KULTUR Staatsminister Neumann weist Rückgabeforderung aus Ägypten zurück

Die Nofretete wird ihren Standort im Neuen Museum in Berlin nicht verlassen. Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) hat die Forderung des Generalsekretärs der ägyptischen Altertümerverwaltung, Zahi Hawass, nach einer Rückgabe der weltberühmten Büste an Ägypten eine klare Absage erteilt. Neumann stellte vor dem Kulturausschuss am vergangenen Mittwoch unmissverständlich klar, dass die Bundesregierung auch in Zukunft alle diesbezüglichen Ansinnen ablehnen werde. Neumann unterrichtete den Ausschuss über ein Schreiben von Hawass an die Stiftung Preußischer Kulturbesitz, in dem der Ägypter die Rückgabe der 3.300 Jahre alten Büste fordert, die im Neuen Museum in Berlin ausgestellt ist. Das Schreiben sei nicht vom ägyptischen Kulturminister oder einem anderen Kabinettsmitglied unterzeichnet worden. Das Auswärtige Amt werte das Schreiben deshalb nicht als offizielle diplomatische Note. Der Ausschuss hatte Neumann um eine Stellungnahme zu der Forderung gebeten.

Fundteilung

Hawass berufe sich in seinem Schreiben, so erläuterte Neumann, auf die Unesco-Konvention zum Verbot und zur Verhütung der unzulässigen Einfuhr, Ausfuhr und Übereignung von Kulturgut aus dem Jahr 1970. Diese Konvention beziehe sich aber nur auf die unerlaubte Ein- oder Ausfuhr von Kulturgütern nach 1970. Sie könne schon deshalb nicht auf die Nofretete übertragen werden. Neumann betonte, dass die Nofretete entgegen der Darstellung von Hawass nicht unrechtmäßig in den Besitz der Stiftung Preußischer Kulturbesitz gelangt sei. Sie sei im Jahr 1912 von dem deutschen Archäologen Ludwig Borchert im ägyptischen Tel Al-Amana während einer Grabung im Auftrag der ägyptischen Regierung gefunden worden. Gemäß der damals üblichen und vertraglich fixierten Teilung des Gesamtfundes sei die Büste in deutschen Besitz übergegangen. Darstellungen, nach denen Borchert die schöne Ägypterin mit einem Schlammüberzug vor den Behörden versteckt habe, seien falsch, betonte der Staatsminister. Dies werde durch alle vorliegenden Dokumente bewiesen.

Doch dies bezweifelt der Chef der ägyptischen Alterumsverwaltung, der seit Jahren für die Rückgabe auch anderer antiker Fundstücke in Museen auf der ganzen Welt streitet. Borchert habe die Büste auf der Ausfuhrliste als Gipskopf einer Prinzessin bezeichnet. "Dabei ist Nofretete an der Krone deutlich als Königin erkennbar und die Büste besteht aus Sandstein", argumentiert Hawass. Er möchte die Büste im Echnaton-Museum in El Minia ausstellen, das dieses Jahr eröffnet werden soll. Doch zu der Zusammenführung des Königspaares - Nofretete war die Frau von Pharao Echnaton - wird es wohl nicht kommen.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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