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PRO: AUSSETZUNG DER WEHRPFLICHTGastkommentar
Richard Herzinger
Notwendiger Umbau

Die Aussetzung der Wehrpflicht ist überfällig. Nicht von ungefähr forderten sowohl FDP als auch Grüne schon vor Jahren ihre Abschaffung. Seit Langem klafften der Rekrutierungsbedarf der Bundeswehr und der Anspruch auf "Wehrgerechtigkeit" immer weiter auseinander. Alte, in Deutschland lange gehegte Ängste vor dem endgültigen Aus der allgemeinen Wehrpflicht haben sich überlebt. Andere große demokratische Nationen wie Frankreich, Großbritannien oder die Vereinigten Staaten haben längst Berufsarmeen, ohne dass diese zum Sammelbecken schießwütiger Desperados und Extremisten oder zu einem Staat im Staate geworden wären. Das Anforderungsprofil einer modernen Armee im 21. Jahrhundert verlangt nun einmal nicht größtmögliche Kopfstärke, sondern höchsten technologischen Standard und beste professionelle Ausbildung.

Hier freilich liegt ein Problem der aktuellen Wehrreform. Mit den von der Bundesregierung gesetzten Sparzielen ist der notwendige Umbau ohne Gefahr für die Effektivität der Bundeswehr - gerade im Blick auf den Afghanistan-Einsatz - nicht vereinbar. Wenn ihr keine Rekruten mehr per staatlichem Zwang zugeführt werden, müssen die Anreize für Freiwillige lukrativer werden. Sparen um jeden Preis darf nicht sein, wenn es um Grundbelange der nationalen Sicherheit geht, die nur noch in globalen Zusammenhängen definiert werden kann. Die Bundeswehr angemessen auszustatten, mag angesichts einer verbreiteten Stimmung für den Rückzug aus internationaler Verantwortung unpopulär sein. Umso mehr aber ist es die Pflicht der Regierung, der Öffentlichkeit die Notwendigkeit zeitgemäßer, schlagkräftiger Streitkräfte zu vermitteln.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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