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Helmut Stoltenberg
Wirbel um Guttenberg

AFFÄRE Minister muss sich Plagiatsvorwürfen stellen

In der sogenannten Plagiatsaffäre hat Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) im Bundestag erneut "gravierende Fehler" in seiner Doktorarbeit eingeräumt. Zugleich bekräftigte der Ressortchef am vergangenen Mittwoch in der Fragestunde des Parlaments und einer sich anschließenden Aktuellen Stunde, die Dissertation selbst verfasst und "diese Fehler unbewusst und ohne Täuschungsabsicht" gemacht zu haben. Zur Frage nach der Ursache der Fehler verwies Guttenberg auf seine Mehrfachbelastung durch Mandat, wissenschaftliche Arbeit und Familie. Es habe für ihn "offenbar eine Überlastung" dargestellt, "politische Leidenschaft und Arbeit sowie wissenschaftliche und intellektuelle Herausforderungen als junger Familienvater miteinander in Einklang zu bringen". Dies sei ihm nicht gelungen.

Doktortitel aberkannt

Guttenberg wird vorgeworfen, er habe für große Teile seiner Doktorarbeit Texte anderer Autoren verwendet, ohne die Zitate kenntlich gemacht zu haben, und unberechtigt Ausarbeitungen des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestages für die Arbeit genutzt. Am Mittwochabend teilte die Universität Bayreuth mit, den ihm verliehenen Doktorgrad zurückzunehmen. Der Minister hatte bereits am Montag vergangener Woche erklärt, dauerhaft auf das Führen des Doktortitels zu verzichten, nachdem er dies drei Tage zuvor lediglich "vorübergehend" machen wollte.

Rücktritt gefordert

In der Bundestagsdebatte forderten am Mittwochnachmittag Vertreter der drei Oppositionsfraktionen von SPD, Linke und Grünen Guttenbergs Rücktritt beziehungsweise seine Entlassung und warfen ihm vor, gelogen und betrogen zu haben. Abgeordnete der Unionsfraktion stellten sich dagegen nachdrücklich vor den Ressortchef und lobten seine Leistungen als Minister, während aus der FDP-Fraktion die Aufforderung an die Adresse Guttenbergs kam, "letzte Zweifel" auszuräumen und "klar Schiff" zu machen, "damit die Verdächtigungen gegen Ihre Person ein Ende haben".

Guttenberg selbst lehnte einen Rücktritt vom Amt des Verteidigungsministers ab: Er werde die nächsten Wochen und Monate "im Amt und mit Freuden" angehen, sagte er. (Siehe Seite 5)

Aus Politik und Zeitgeschichte

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