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CONTRA: AKW-LAUFZEITVERLÄNGERUNGGastkommentar
Holger Möhle
Rolle rückwärts

Jetzt also doch. Schwarz-Gelb steigt aus. Raus aus dem selbst gemachten Ausstieg aus dem (rot-grünen) Atomausstieg. Rolle rückwärts in der Energiepolitik. Das heißt dann: Moratorium. Wie das geht? Wer das möglich gemacht hat? Eine Naturkatastrophe nicht gekannten Ausmaßes in Japan mit anschließendem atomaren GAU und die Furcht, die neu angefachte Debatte über Atomkraft in Deutschland könnte eigene Wahlchancen beeinträchtigen. Schwarz-Gelb hat schnell reagiert. Schadensbegrenzung auch in eigener Sache.

Dabei hätten es die Koalitionäre besser wissen können, ja, wissen müssen. Der Streit ums Atom spaltet seit Jahrzehnten zuverlässig die Gesellschaft. Doch ist längst unstrittig, dass Atomkraft ein Energieträger ist, der den größten Teil seiner Zukunft schon verbraucht hat. Angela Merkel will die Atomkraft noch - als Brückentechnologie. Trotzdem spendierte die Koalition den Kraftwerksbetreibern 2010 einen satten Aufschlag bei den Laufzeiten um durchschnittlich zwölf Jahre, ohne dabei die Länder zu beteiligen, deren Interessen berührt sind. Das rächt sich jetzt.

Sauber, wirtschaftlich, bezahlbar und sicher. Diese vier Kriterien muss Energieversorgung in Deutschland erfüllen, war die Devise aller Bundesregierungen. Bei Atomkraft kann die Sicherheit nur relativ sein. Dass Merkel unter dem Eindruck des japanischen Atomunfalls vor allem aus Gründen der Sicherheit ihre Energiepolitik auf den Prüfstand stellen muss, hat sie sich selbst zuzuschreiben. Nicht dass sie Politik gegen die eigene Überzeugung gemacht hätte. Aber mit einem Laufzeitplus von mehr als zehn Jahren war die Provokationsgrenze überschritten. Die Energiewende jetzt kommt fremdbestimmt. Merkel hätte es leichter haben können.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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