Inhalt

Kurz rezensiert
Aschot Manutscharjan
Kurz notiert

Das Korengal-Tal liegt an der afghanisch-pakistanischen Grenze und gilt als "das Afghanistan von Afghanistan: zu abgelegen, um erobert zu werden, zu arm, um sich einschüchtern zu lassen, zu autonom, um sich kaufen zu lassen". Die US-Streitkräfte errichteten dort einen Stützpunkt und einige Vorposten, um das Einsickern der Taliban aus Pakistan zu verhindern. Auf einem dieser Außenposten verbrachte der amerikanische Schriftsteller Sebastian Junger als "embedded journalist" 2007 fast ein Jahr mit den Soldaten eines Platoons.

Für Junger - international bekannt geworden durch seinen verfilmten Bestseller "Der Sturm" - wie für "sein Platoon" spielten die politischen Aspekte des Krieges keine Rolle: Warum die USA in Afghanistan sind und welches Ziel Washington dort verfolgt? In den Gesprächen der Soldaten wurden diese Fragen nicht gestellt. Sie gehen auf Patrouille und versuchen, den Feind zu töten. Sonst werden sie selbst oder ihr Kamerad getötet. Um den Krieg zu überleben, so stellt Junger fest, seien Kameradschaft und Liebe für die Soldaten das Wichtigste - nicht die Ideologie. Nur dadurch überwinde man die Angst im Feuergefecht - auch wenn es nur 20 Sekunden anhalte - oder wenn der Platoon in einen Hinterhalt gerate. Die erfahrenen Soldaten handelten intuitiv immer richtig: sie schützen ihre Kameraden. Deshalb überschreibt Junger die drei Kapitel seines Buches auch mit: Angst, Töten, Liebe.

Die Literaturhinweise am Ende des Buches verweisen auf komplexe wissenschaftliche Untersuchungen: Junger zitiert neuropsychologische und militärisch-soziologische Studien über das Verhalten der Soldaten in Kampfhandlungen. Er vergleicht diese Untersuchungen mit seinen persönlichen Erfahrungen. Er kommt zu dem Ergebnis, dass sich die Soldaten nach ihrem Leben und den Kampfhandlungen in den Bergen Afghanistans, die sich in ihr Bewusstsein einbrannten, nicht mehr im Garnisonsalltag und im zivilen Leben der Heimat zurechtfinden.

Sebastian Jungers Kriegsberichte lesen sich wie ein klassisches Drama, vergleichbar nur mit dem jungen Leo Tolstoj, der aus dem Kaukasus und dem Krimkrieg berichtete. Jungers Interesse gilt vor allem den Menschen, "die mit Ereignissen konfrontiert sind, von denen sie mühelos vernichtet werden können".

Sebastian Junger:

War. Ein Jahr im Krieg.

Blessing Verlag. München 2010; 336 S., 19,95 €

Aus Politik und Zeitgeschichte

© 2020 Deutscher Bundestag