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Kurz rezensiert
Aschot Manutscharjan
Kurz notiert

Das Bedürfnis nach Transparenz ist extrem gewachsen seitdem immer mehr Informationen in den westlichen Demokratien unter die Rubrik "Staatsgeheimnis" fallen. So lautet das Urteil der beiden "Spiegel"-Redakteure Marcel Rosenbach und Holger Stark in ihrem Buch über die Internet-Plattform WikiLeaks. Vor allem in den USA hätten nach dem "11. September" die Angriffe auf die Privatsphäre und der Ausbau staatlicher Überwachungsstrukturen neue Blüten getrieben. Die Autoren bewerten WikiLeaks als eine Art Cyber-Aufstand von unten. Der neue weltpolitische Akteur WikiLeaks habe nicht weniger als die Machtfrage gestellt: Wer besitzt die Informationshoheit?

WikiLeaks-Gründer Julian Assange, dessen Lebenswerk das Buch ehrt, betont, es dürfe nichts geheim bleiben: Aufgabe des Internets sei es, als "Geheimdienst des Volkes" zu wirken. In dem ausgezeichnet recherchierten Buch erzählen die Autoren den Lebensweg Assanges mit großer Sympathie nach. Immerhin habe er es geschafft, von einem Computer-Hacker zum "wichtigsten Politaktivisten der Welt" aufzusteigen. Assange habe nicht nur die mächtigste Nation der Welt herausgefordert, sondern zugleich deren militärischen und diplomatischen Praktiken bloßgestellt.

WikiLeaks wird in den USA nicht ohne Grund als Bedrohung angesehen. Die Enthüllungsplattform und deren Veröffentlichungen stellten die US-Verantwortlichen auf eine Stufe mit dem Terrornetzwerk Al-Qaida. Assange gilt als offizieller Staatsfeind der USA. Der Kampf zwischen den Netzaktivisten und den Regierungen markierte den Anfang einer Debatte über Publikations- und Informationsfreiheit. WikiLeaks öffnete nach Google und Facebook eine weiteres Fenster in die Zukunft der Informationsgesellschaft.

Rosenbach und Stark, deren Magazin von der Zusammenarbeit mit Assange profitierte, betonen gleichwohl, dass ohne die journalistische Begleitung hunderttausende publizierter Original-Dokumente im Netz jedoch kaum Leser finden dürften.

Marcel Rosenbach, Holger Stark:

Staatsfeind WikiLeaks.

Deutsche Verlags-Anstalt, München 2011; 334 S., 14,99 €

Aus Politik und Zeitgeschichte

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