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Parlamentarisches Profil
Tatjana Heid
Heimatverbundenes »Parteitierchen«: Thomas Strobl

Thomas Strobl liebt das Ländle. In seinem Berliner Abgeordnetenbüro steht die Flagge Baden-Württembergs neben der deutschen, an der Wand hängt das Stadtwappen von Heilbronn. Darunter eine Collage jener Abgeordneten, die der Wahlkreis Heilbronn seit der Nationalversammlung in der Paulskirche gestellt hat. Bislang letzter in der Reihe: Thomas Strobl selbst, seit 1998 als direkt gewählter Abgeordneter im Bundestag. Derzeit ist der 51-Jährige unter anderem Vorsitzender des Vermittlungsausschusses und des Geschäftsordnungsausschusses, außerdem Mitglied im Ältestensrat und im Gemeinsamen Ausschuss. Ein Parlamentarier aus Leidenschaft. "Das Parlament ist die erste Gewalt im Staat, die Regierung als Exekutive demzufolge die zweite", sagt er und legt den Kopf auf die Seite. Deutschland brauche ein starkes Parlament, das sich "zeitweise auf die Hinterfüße" stelle und die Hierarchie auch gegenüber der Regierung deutlich mache. Strobl wählt diese Worte mit Bedacht. Er sitzt zurückgelehnt in seinem schwarzen Sessel, vor sich eine Tasse Kaffee mit Milch.

Noch immer ist Strobl in der Lokal- und Landespolitik tätig. Seit 1989 sitzt er als Stadtrat im Heilbronner Gemeinderat, seit 2005 ist er Ehrenvorsitzender der CDU im Stadt- und Landkreis Heilbronn. Seine Wähler kennen ihn: von Podiumsdiskussionen, Gesprächsrunden und den Halbmarathons, an denen er teilnimmt. "Da kann ich nebenher noch eine kleine Bürgersprechstunde machen", sagt er. Und lächelt. Ein wenig verschmitzt, mit Lachfältchen um den Augen. Seit zehn Jahren läuft er beim Trollinger Marathon in Heilbronn mit, erzählt er. Trollinger ist die in Württemberg am meisten angebaute Traubensorte. Rot. Strobl trinkt am liebsten Rotwein. "Aber zuweilen auch Weißwein, gell", sagt er. Und wüsste man nicht, dass er aus dem Südwesten kommt, so wäre dieses "gell" ein weiterer Hinweis gewesen.

Vielleicht weil er heimatverbunden ist, vielleicht aber auch, weil die Niederlage so frisch ist, sieht Strobl die vergangene Landtagswahl in Baden-Württemberg als den schlimmsten Moment in seinem bisherigen politischen Leben an - "wobei es auch schlimm war, als wir 1998 die Mehrheit im Bundestag verloren haben". Damals unterlag die Union Rot-Grün nach 16 Jahren Regierungszeit, heute gibt die CDU in Baden-Württemberg nach 58 Jahren die Macht ab - vermutlich an den ersten Grünen-Ministerpräsidenten der Bundesrepublik. "Das ist ein kleiner Kulturschock", meint Strobl. Während er darüber nachdenkt, wandert seine Hand zum Kopf und zwirbelt das graue Haar. Seit sechs Jahren ist Strobl Generalsekretär der CDU Baden-Württemberg, für den Landesvorsitz seiner Partei sei er "unter bestimmten Umständen bereit, mich in die Verantwortung nehmen zu lassen", sagt er. Auf dem Tisch seines Berliner Büros liegt ein T-Shirt, "Don't ever give up" steht drauf. Es ist das Geschenk einer Schulklasse aus seinem Wahlkreis, die ihn in Berlin besucht hat. Das war noch vor der Landtagswahl. In Baden-Württemberg müsse die CDU "Opposition lernen", sagt Strobl.

Opposition lernen - das dürfte ihm leicht fallen. Schließlich war das Gefühl, die Opposition zu sein, der Grund für Strobl, sich politisch zu engagieren. "Auf meinem Gymnasium hatten die Jungsozialisten einen Alleinvertretungsanspruch. Das hat mich ein bissl gestört", sagt er. Und so engagierte er sich im Arbeitskreis Demokratischer Schüler, dann bei der Jungen Union und später bei der CDU. Er studierte Jura, wurde selbstständiger Rechtsanwalt, blieb politisch aktiv. Die Arbeit erfüllt ihn mit Freude -"Nicht mit Spaß. Spaß wäre, bei strahlendem Sonnenschein einen Espresso zu trinken". Doch ohne die Unterstützung seiner Frau könne er sie nicht machen. Auch wenn sie Politik gewohnt sei - ihr Vater ist Wolfgang Schäuble - "war das ja noch keine Garantie, dass sie sich wieder auf einen Politiker einlässt", sagt Strobl. Als "Parteitierchen" habe er interessante Menschen getroffen und enge Freundschaften geschlossen . Aber wäre das alles nicht gewesen: "Allein dass ich meine Frau bei der Jungen Union kennengelernt habe, rechtfertigt jede Sekunde der vielen tausend Stunden des ehrenamtlichen Engagements." Und da ist wieder dieses verschmitzte Lächeln.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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